Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529921
geb. 1810, schien sich geradezu Helgoland als Domäne für seine 
Darstellungen auserwählt zu haben; denn seinem ersten bedeutenden 
Werke, dem sHeirathsantrag auf Helgoiandcij), welches jedoch die 
liebevolle Sorgfalt der, Ausführung bis zur Peinlichkeit getrieben zeigt, 
folgte eine fast ununterbrochene Reihe von Scenen des merkwürdigen 
Eilandes. Das Sturmläuten auf Helgoland, die Vaterfreuden und die 
Hochzeit auf dieser Insel zeigen nicht blos ein erfreuliches künst- 
lerisches Vorwärtsschreiten, sondern auch die Fähigkeit des Künstlers, 
bedenklichen und erregten Situationen eben so treu gerecht zu werden, 
wie den lieblichen des einfachen häuslichen Glückes. Wenn auch 
der Meister später den Schauplatz manchmal an continentale Küsten, 
wie nach der Normandie oder nach Holland verlegte, so verliess er 
den Strand doch fast niemals. Ihm ähnlich, doch etwas universeller 
ist H. Ritter aus Monreal in Canada, geb. 1817, t 1853, welcher 
1836 als Anfänger nach Düsseldorf gelangt, sich so rasch entwickelte, 
dass er schon 1844 sein Hauptbild wder ertrunkene Sohn des Loot- 
891144 w) zu liefern vermochte. Erscheint hier die tiefste Empfindung 
in wunderbarer Wahrheit wiedergegeben, so entwickeln andere eine 
Fülle von feinem Humor, wie sie in dieser Delicatesse vorgetragen 
wohl selten sein wird. Eines seiner letzten Werke vdes Seekadettcn 
Middy's Strafpredigt an trunkene, auf's Schiff zurückkehrende Matro- 
sena f") lässt es nach allen Seiten hin höchlich bedauern, dass dieses 
bedeutende Talent so frühzeitig abberufen ward.  An diese Meister 
des Nordseestrandes reiht sich dann der Vertreter der norwegischen 
Küste A. Tidemand, geb. 1815, zu Mandal in Norwegen mit ernsten 
Scenen aus dem ländlichen Leben seiner Heimat. Ist der Mehrzahl 
der genannten Künstler überhaupt eigen, was den niederländischen 
Genreineistern fast durchgängig fehlt, und was seltsamerweise selbst 
den Düsseldorfer Historienmalern nicht in dem Grade innewohnt, 
nemlich ein im Ernsten wie im Heiteren bedeutsamer, gernüthvoller 
Inhalt, welcher dem meisterhaften Vortrag doppelten Werth gibt, 
so ist diess ganz besonders bei Ticiemand der Fall. Seine Dar- 
stellungen religiöser Gebräuche bei diesen dem Weltverkehr entrückten 
und ganz auf sich selbst angewiesenen Dörflern gehören zu den 
 (1834) Nationalgallerie zu Berlin Nr. 
 Gallerie Havenä zu Berlin Nr. 111. 
 Wallraf-Richartz-Museun] zu Cöln. 
lith. 
Sprick.
        

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