Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529868
demnach gar keine Frage, dass im Bildniss in der Zeit des idealen 
Aufschwunges sogar ein Rückschritt gegen die Rococoperiode und 
selbst gegen Mengs gemacht worden ist. 
Der charakteristische Typus für diese Porträtmalerei ist J os. Stieler, 
geb. 1781 zu Mainz, 1- 1858 zu München, ein Schüler der Wiener 
Akademie, kurze Zeit in Gerard's Atelier zu Paris, dann in Italien, 
worauf ein in Mailand gemaltes Bildniss des nachmaligen Herzogs 
von Leuchtenberg seine Berufung als Hofmaler nach München ver- 
anlasste (1820). Berührt von dem Einfluss Cornelius" vermochte er 
zwar seine alte Schultechnik abzustreifen, ohne jedoch den idealen 
Bann brechen zu können, der in der Zeit lag. Schön sind seine 
Bildnisse daher immer, aber immer fehlt ihnen die charakteristische 
Schneide und individuelle Bestimmtheit. Er schien dazu gemacht, 
bräutliche Prinzessinnen darzustellen, Welchen die nymphenartige 
Idealschönheit ebenso entsprach, wie deren fürstlichen Erwerbern. 
Das männlicheBildniss dagegen ist liebenswürdig gewinnend, jedoch 
nur selten  männlich, da das Höchste, was der Künstler an Aus- 
druck anstrebte, oder zu erreichen vermochte, jener war, der aller- 
dings zumeist auch dem männlichen Modell und selbst einem Goethe 1') 
eignete, nemlich der Ausdruck der Eitelkeit. 
Stieler's jüngere Münchener Zeitgenossen Fr. Dürk, geb. 1809 
zu Leipzig und J. Bernhardt hatten Wenigstens das Verdienst des 
ersteren zartes Colorit durch eine kräftigere und ernstere Farbe zu 
ersetzen, wie es auch A. Gräfle aus Freiburg (geb. 1809), einem 
Schüler Schnorns, E. Heuss, geb. zu Mainz 1808 und namentlich 
Stieler's berühmtestem Schüler, F. X. mnterhalter (1803 in S. Blasien 
im Schwarzwalde geb., 1' 1873 zu Frankfurt) freilich unter dem 
Einfluss von Paris, (seit 1834) gelang. 
Weniger hatte man in Wien, wo die trefflichen Porträtisten 
M. M- Dafßnger, geb. 1790 zu Wien, J. Krielmber, geb. 1800 da- 
selbst und Fried. Amerling, geb. 1803, wirkten, mit der idealen 
Richtung zu kämpfen, da dieselbe überhaupt erst spät dort eine 
hervorragende Stellung erlangte. Unterstützt von der in der lebens- 
lustigen Kaiserstadt früher als in München erwachten Neigung zum 
Genre und damit zur unmittelbaren Naturwahrheit, vermochte das 
  
fürstlicher 
 Mit einer grossen Zahl 
Pinakothek in München. 
Damenbildnisse 
unter 
den Porträts 
der
        

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