Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529856
virung kaum werth. Daher treten nothivendig jene Gebiete, in 
welchen die Einzelerscheinung das Uebergewicht über das Allgemeine 
unerlässlich erfordert, entschieden zurück und zeigen entweder eine 
falsche ideale Fährte oder stellen sich in feindlichen Gegensatz gegen 
die herrschende Strömung, wie er in jeder Empirie dem Idealen, in 
dem Naturwirklichen dem mehr Gedachten gegenüber sich ausspricht. 
In dem Uebergewichte des einen über das andere liegt der Unter- 
schied der Kunst der eben zu behandelnden Periode und der un- 
mittelbar gr-zgeniväirtigen, in welcher letzteren der Sieg des Natur- 
wirklichen in Form und Farbe unbestritten erscheint. Es kann 
deshalb nicht als eine Willkür von Seite des Verfassers betrachtet 
werden, wenn in der jetzt in Rede stehenden Periode der Darstellung 
der idealen und zum grossen Theil monumentalen Elistoriemnalerei 
ein so beträchtlicher Raum gewidmet ist, während Porträt, Genre, 
Landschaft, 'l'hierstück, Stillleben sich in so engen Umfang zusam- 
menfasseil. Denn im Vergleich mit jener erschienen die letztge- 
nannten Gebiete damals als entschieden untergeordnet, ja sogar 
vielfach höchstens als geduldet. 
Das Bildniss zunächst befindet sich fast allgemein in dem erst- 
erwähnten Falle des Treibens auf falscher Fährte. Vorzugsweise 
von den Vertretern der idealen Historienmalerei nebenbei cultivirt, 
erhebt es sich nicht viel über Akt- und Modellstudium, wobei immer 
die ideal-conventionelle Anlage den Pinsel beherrscht und die besondere 
und eigentlich individuelle Charakteristik als etwas Accessorisches 
behandelt wird, dem nicht soviel Recht eingeräumt wird, als die 
Wirkliche Erscheinung erfordert. Daher erschwingt es sich auch nicht 
genügend über eine gewisse Typik und Uniformität, welche die dar- 
gestellten idealisirten Menschenkinder nur in seltenen Fällen als die 
besonderen Wesen, welche sie sind, zur Geltung bringt. Dieser Um- 
stand tritt uns am schlagendsten in jugendlichen Gestalten besonders 
weiblichen Geschlechtes entgegen, deren individuelle Schönheit sich 
in den Porträts jener Zeit fast immer hinter einer allgemeinen und 
typischen zurückzieht, so dass wir oft ganze Reihen von Bildnissen 
betrachten können (Schönheitengallerie der Münchener Residenz), 
ohne sie schliesslich bestimmt von einander sondern zu können 
Alle haben zu ihrer Zeit die Eitelkeit der Beiheiligten befriedigt; den 
Z-Weck aber verfehlt, die Persönlichkeit derselben in ihrem ganzen 
Umfang getreu und lebendig der Nachwelt zu überliefern. Es ist
        

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