Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525415
Malerei 
Frankreich. 
29 
rgrossek Sty] der vorausgegangenen Periode verwandelte sich mehr 
und mehr in den eleganten Ballet- und Ballstyl der damaligen, und 
heidnische Göttinnen, wie christliche Heilige sahen sich genöthigt, 
die ausschweifendstcn Concessionen an die Erscheinungen des damali- 
gen Hof- und Maitressenlebens in Bewegung und Geberde, ja selbst 
im buhlerischen Ausdrucke zu machen. Nicht selten erschienen 
geradezu die Porträts der Hofdamen oder anderer Schönheiten mit 
oder ohne Costüm als Göttinnen in den-mythologischen oder allego- 
rischen Werken. Die asüsse Lieblichkeitc, welche schon bis Mignard 
in das 18. Jahrhundert hinaufreicht, äussert sich überdiess nicht 13105 
in der Zeichnung, welche allen Gesichtern etwas Verführerisches, 
allen Formen etwas weich Rundliches, Fliessendes, xFl-ammendesc 
selbst auf Kosten der Bedeutung aller  nur mehr der Linienfüh- 
rung und der Composition wegen vorhandenen  Bewegungen zu 
verleihen suchte, sondern auch im Colorit, das nun weich und ver- 
schwimmend, und namentlich licht und vorwiegend rosig ward. An 
die Stelle des theatralisch affektirten Pathos der Periode Ludwig XIV. 
ist eben die leere Aktion des Ballets mit allem unsittlichen Sinnen- 
reiz, wie mit allem Aufwand von Schminke getreten. 
Selten jedoch machte diese ganze Classe von Malerei Anspruch 
auf Selbständigkeit, sondern entsprach fast ausnahmslos nur einem 
decorativen Bedürfniss. Weit bedeutender trat dagegen eine andere 
Gattung, die Cabinetsmalerei, auf, welche auch der verblendenden 
Lebensanschatiting jener Zeit in mehr Wahrheit entsprach, als die 
ganz seelenlos gewordene Historien- und religiöse Malerei. Der Be- 
gründer dieser Richtung, Ant. Watteau  1721), welcher auch in 
Frankreich dem Genre eigene Geltung verschaffte, während vordem 
an der Akademie für dasselbe keine Abtheilung und auch nachher 
noch lange kein Gattungsname bestand, gehörte noch der Periode Lud- 
wig XIV. an. Der Titel eines Peintre de fetes galantes du Roi, welchen 
der Künstler bei seiner Aufnahme in die Akademie 1717 erhielt, be- 
zeichnet indess das Gebiet Seiner Kunst keineswegs genügend. Diese be- 
wegt sich nämlich Vorzugsweise in PaPkSCeneI], ländlichen Festen, (Ion- 
Versationen, Concertinos und Dejeuners im Freien, allerdings fast aus- 
hahmslos das Genussleben der vornehmen Welt in mehr oder weniger 
idyllisch gehaltener Weise schildernd, berückend durch die naive Unbe- 
fangenheit und Frische, mit welcher der Künstler seinerseits die oft nicht 
S0 harmlosen Vorbilder aus der verkommenen Wirklichkeit in das
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.