Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529771
augübte, Und wer hätte nicht, als 1869 das Münchener Akademie- 
gebätude gleichzeitig in separaten Ausstellungen Kaulbaclrs Peter 
Arbues und Schwinds Melusine dem Kunstfreunde darbot, der 
letzteren freudigen Herzens den Vorzug gegeben. Ich wage es aus- 
zusprechen, dass kaum je ein Dichter einem Märchen eine vollendetere 
Form zu geben gewusst, als es unser Maler mit dem Stifte ver- 
mochte. Die zutrauliche und keusche Naivetät der Erfindung, die 
trotz üppiger Gesundheit stets so anmuthigen Formen in ihrem 
bestimmten Umriss und selbst die leichtduftige Aguarellirung stimmen 
wunderbar zu dem Märchencharakter, Welcher niemals zu viel Realität 
in Form und Farbe wird ertragen können. Dafür hatte sich der 
Künstler offenbar hinsichtlich der eigenen Befähigung getäuscht, wenn 
er von den Wartburgbildern Veranlassung nahm, nun auch in der 
deutschen Kaisergeschichte sich nach Stoffen umzusehen, wie denn 
vKaiser Rudolplrs Ritt zum Graben trotz einzelner bedeutender 
Schönheiten mit Recht kalt liess. Auch seine Tafelmalereien für den 
Münchener Frauendom t) liessen in dem Bestreben memlingisch oder 
burgkmaierisch zu archaisiren, den eigenen Genius nicht zum Durch- 
bruch kommen. Mehr die Apsidenrnalereien und besonders die 
Stationen der Reichenhaller Pfarrkirche, deren edle und auf wenige 
Figuren sich beschränkende Einfachheit diesem vielverlangten und 
durch Massenproduktion sehr zurückgekommenen Cyklus, wenn mehr 
bekannt, ebenso vortheilhaft sein würde, wie die Musterarbeiten 
Overbecks Auf alle Fälle fesselte ihn, den enthusiastischen Musik- 
freund, der Auftrag, Loggia und Foyer des neuen Wiener Opern- 
hauses mit Opernscenen zu schmücken ungleich mehr, als die Be- 
stellung von Glasgemäldecartons für Glasgow und London, wenn auch 
nicht verhehlt werden kann, dass selbst jene schönen Schöpfungen 
hinter den Sagen und Märchen von seiner Hand zurückblieben. 
Noch hatte indess das Alter keinen Einfluss auf den rüstigen Künstler 
geäussert, als er mitten im eifrigsten Schaffen von einem organischen 
Uebel hiniveggeraüt wurde (1871). Mit ihm war einer der besten 
Träger der idealen Kunst Deutschlands, welche in den greisen Künstler- 
heroen Cornelius, Overbeck, Schnorr und Kaulbach bis in die 
unmittelbare Gegenwart herab wirkten, hinübergegangen. 
Dass auch er allmälig vereinsamte, liegt in der gesanmlten 
wie 
 An den Flügeln des Hochaltars 
Reber, Kunstgeschichte. 
der beiden Altäre 
an 
den Chorstufen. 
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