Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529707
nemlich in einer Bibelausgabet). Es kann nicht geleugnet werden, 
dass viele von den Compositionen, namentlich zum alten Testamente, 
von ergreifender Schönheit sind; allein dem keineswegs universellen 
Genius des Schöpfers des Ariost- und Nibelungen-Cyklus wie der 
Gemälde der Kaisersäle der Münchener Residenz, der zwei Dritttheile 
seines Lebens in ritterlicher Romantik geschaffen hatte, konnte die 
Genesis wie das Neue Testament, das letztere namentlich in pro- 
testantischer Auffassung, unmöglich angemessen erscheinen. Er mochte 
daher einem wahren Herzensbedürfnisse genügen als er noch 1869 
einen Cyklus aus Ariost aAngelica und Medoroc, den er 1826 für 
Ingres gezeichnet, Wiederholen konnte. Es War diess mit den Compo- 
sitionen zu zwei grossen Glasgemälden M), die Geschichte des Apostels 
Paulus und Christus am Kreuz darstellend, und einem grossen Bilde 
aLuther in Worinsattt) seine letzte Arbeit. 1871 seiner Funktion 
als Gemäldegalleriedirektor enthoben, folgte er 1872 seinem Freunde 
Cornelius in's Jenseits.   
Das Zusammenwirken von drei so trefflichen Kräften, wie 
Bendemann, J. Hühner und J. Schnorr hatte in Bezug auf die Dres- 
dener Akademie den gewünschten und erwarteten Erfolg nicht. Es 
ist diess ein Beweis, dass auch die Besten eine alternde Richtung 
nicht zu halten vermögen und nothwendig allmälig vereinsamen 
müssen. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts gehört eben im 
Gebiete der Malerei so zweifellos der Farbe und Realität an, wie die 
erste Hälfte der Romantik und Idealität. Wie Cornelius in Berlin, 
Kaulbach und selbst Schwind in München weniger Einfluss auf ihre 
Kunstgenossen hatten als einige belgische und französische Werke, 
die dem bis zu einer gewissen Höhe entwickelten Künstler in farbe- 
strahlender Beredtsamkeit lehrten, der Wirklichkeit so energisch 
als möglich zu Leibe zu gehen, so war es auch in Dresden. Doch 
waren die älteren Düsseldorfer noch vergleichungsweise im Vortheil 
gegen die Schule eines Cornelius und Schwind, indem ihnen Farbe 
und Modell von Haus aus näher standen, so dass ihnen auch, wie 
Ä") Leipzig, G. Wigand. 1854. 
h") (1866 u. 1868.) Für S. Paul in London in der Münchener k. Glasmalerei 
ausgeführt, gestiftet v. Th. Brown Esq. und von der Cornpany Of Drapers. 
 (1869) Im Maximilianeum zu München.
        

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