Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529675
Dresden. 
Bendemann. 
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in noch höherem Grade eigen als Kaulbach, sicher als dem Alt- 
meiste-r Cornelius. Allein das was den epochemachenden Meister 
charakterisirt, der eigene Styl, tritt aus den Dresdener Cyklen nicht 
entgegen. Es ist die W. Schadowlsche Schule in ihrer höchsten 
Vollendung, was sich hier glänzend manifestirt, nicht der individuelle 
künstlerische Ausdruck; es ist das hochbegabte und vollendet durch- 
gebildete Talent, nicht das bahnbrechende Genie. Das Auge durch- 
läuft die Compositionen wie die Formen, zum Theil aus Reniinis- 
cenzen der Antike wie des Cinquecento bestehend, erfreut und 
befriedigt, aber kaum irgendwo so magisch gefesselt, wie es vor jenen 
Werken in vielen Parthien zu geschehen pflegt: der zündende Funke, 
das überwältigende Moment fehlt und darum auch der packende 
Eindruck. Schreiber dieser Zeilen hat nach dem Besuch der Bende- 
n1ann'schen Säle des Schlosses die Frage an sich gerichtet, warum 
trotz des Genusses, den ihm die Betrachtung der Malereien im Ein- 
zelnen durch ihre mustergiltige Schönheit bereitet, die Freude darüber 
sich so schnell verflüchtigte und der Eindruck ein weit Weniger 
nachhaltiger war, als jener der Corneliusschen und Kaulbach'schen 
Compositionen, selbst der Werke RahPs und Schwind's, und er 
konnte sich der Vermuthung nicht entwinden, dass es gerade die 
tadellose Regelrichtigkeit ist, welche jede tiefere Charakteristik hem- 
mend der Phantasie des Künstlers wie Beschauers die Flügel bindet. 
Die Fessel der Schadowschule, sdie Furcht vor gemalten dummen 
 Streichenc lastet die Freiheit bannend auch auf dem Schwung der 
Erfindung und hindert namentlich jede individuelle Entfaltung. Mit 
einem Worte: die Kunst Bendemanns ist wesentlich formal. 
Daraus ergibt sich von selbst, dass die Gemälde des Thronsaales 
als Zumeist historischen Inhalts denen des Ballsaales mit den Alle- 
gorien der Künste und Darstellungen aus der Griechenwelt entschieden 
nachstellen. Der erste Saal, vorzugsweise zur Eröffnung und Ent- 
lassung des Landtages bestimmt, prägt diesen Zweck auch in seinem 
Gemäldeschmuck aus: eine Reihe von Gesetzgebern und grossen 
Königen alter und mittlerer Zeit, beiderseits von der in der Mitte 
hinter und über dem Throne angebrachten Saxonia füllt die für den 
König und sein Gefolge freigehaltene Saalhälfte, während vier grösggrg 
Gemälde, die vier Stände in Darstellungen aus der Zeit Kaiser Hein- 
rich I. (bekanntlich eines sächsischen Herzogs) repräsentirend, und 
eine die Stände zusammenfassende Allegorie über dem Eingange den
        

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