Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529622
die Decke des einen Saales mit den vSchrecknissen des Kriegesa und 
des anderen mit den sSegnungen des Friedensc geschmückt werden 
sollte. Hinsichtlich der beiden Nebensäle blieb es indess bei flüchtigen 
Skizzen, die ausgeführten Zeichnungen und zum Theil Farbenskizzen 
des Hauptsaales dagegen, von den gewiegtesten Künstlern Roms mit 
Recht bewundert, wurden zur Ausführung genehmigt. 
Doch trotz Cornelius" schriftlichen Gutachtens gelang es einer 
engherzigen Gegenpartei den Vollzug nicht blos zu sistiren, sondern 
die Ausführung nach einem andern ungleich geringeren Plane durch 
C. Blaas durchzusetzen: ein grosser Verlust für die Kunst; denn 
Besseres vermochte Rahl nicht mehr zu leisten. Er hatte damit die 
Profan-Historienmalerei zu idealer Höhe erhoben, wie es seit Raphaels 
Stanzen wenigen Meistern geglückt ist. vES gibt nichts Verkehrterese, 
hatte er sich seinen Schülern gegenüber geäussert, aals den Maler 
mit dem Geschichtschreiber zusammenzustellen. Die Geschichte ist 
für den Maler nicht mehr als für den tragischen Dichter, der den 
Stoff in der Geschichte benützt, um seine ursprüngliche Idee darzu- 
stellen. Und wenn ein Künstler die Geschichte seiner Nation malen 
will, darf er sie nicht wie ein Geschichtschreiber auffassen, sondern 
im Sinn eines Poeten muss er sie behandeln, mit dichterischem Geist, 
mit der Phantasie des Dichters. Der Historiker, der wie ein Dichter 
schreibt, ist unverlässig; der Künstler, der wie ein Geschichtschreiber 
malt, ist lahm, kalt und ungeniessbar. Da die Geschichte die Auf- 
gabe hat zu belehren, während Künstler und Dichter erwärmen und 
begeistern müssen, so ist die künstlerische Darstellung in der Ge- 
schichtschreibung nur Mittel zum Zweck, während in der Kunst die 
Darstellung selbst der Zweck und das Darzustellende das Mittel ist, 
um grosse allgemein menschliche Ideen zu versinnlicheimt Wir 
werden kaum irren, wenn wir behaupten, dass zunächst in den 
Corneliussälen der Glyptothek und dann in den Stanzen wie in der 
Sixtina zu Rom das Verständniss für diese Wahrhaft monumentale 
Auffassung der Historienmalerei ihm aufgegangen und durch die 
negative Wirkung der von ihm bitter getadelten historischen Gallerie 
zu Versailles, in Welcher eben jeder leitende Gedanke fehlt, zu noch 
klarerem Bewusstsein gereift sei. Zur Erprobung aber wäre hier die 
Gelegenheit gewesen, wie sie sich dem Meister wenigstens in dem 
Umfange nie mehr darbieten sollte. 
Da traf Rahl (1856) mit Baron Sina zusammen, Welcher ihn
        

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