Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525398
Vollendung nicht hinsichtlich des inneren Gehaltes, Sondem lediglich 
durch äussere Effekte und technische Virtuosität. Die dünnen, durch- 
scheinenden, sinnereizend sich anschmiegenden Gewänder, die das 
noch mehr zeigten, was sie verhüllen sollten, KüllSteleien mit 
Netzen u. s. w., wie sie z. B. Sa-wzanartino, Coworlitzi und (lmeirolo zu 
ihrer besonderen Aufgabe machten, sind auch die Italiener bis auf 
den heutigen Tag nicht. mehr los geworden; ebenso Wenig jene atfek- 
tirte Grazie und ekle Lüsternheit, mit welcher sie damals mit den 
Franzosen wetteifernd in gespreizter Aeusserlichkeit zu kokettiren sich 
bemühten. Wo aber zu solchen Beizmitteln der Gegenstand oder 
die Bestimmung keine Gelegenheit. darboten, da machte sich im Laufe 
des Jahrhunderts jene Ernüchterung nach der Berninfschen Ueber- 
reizung geltend, welche wie jede derartige Reaction durch öde Leere 
grenzenlos langweilig und noch widerwürtiger war als der voraus- 
gegangene Taumel. 
So hatte auch der Borrominfsche Curvenrausch in der Archi- 
tektur, Welcher dem ganzen Styl den (kaum von dem Maler Baroccio 
herzuleitenden) Namen Barockstyl, von baroque (schiefrund, ver- 
schoben) gegebeut), nachdem er in einigen Jahrzehnten verbraust 
war, einer trockenen Nüchternheit und Sparsamkeit Platz gemacht, 
welche in Italien, zunächst nicht wie in Frankreich durch ein neues 
Element reizend verhüllt, als wenig mehr betrachtet werden kann, 
denn als eine Lücke in der kunstgcsehichtlichen Entwicklung. Ver- 
braucht und ausgelebt nach allen Richtungen, sah sich endlich Italien, 
die Mutter der Renaissance-iärchitekttir, genöthigt, bei ihrer Schülerin 
in Frankreich zu borgen, wenn das Land überhaupt in die Lage 
kam, monumentale Werke schaffen zu müssen. Denn der Verfall 
Italiens hatte ohnehin das Kleid zu weit gemacht, in welches sich 
die Glanzzeit gehüllt hatte; Hunderte von Palästen standen leer oder 
dienten Zwecken, für welche der architektonische Aufwand nicht be- 
rechnet War. Bei vermindertem Bedarf reducirte sich daher selbst- 
verständlich auch die Production, was indess bei der trostlosen 
Phase, in Welche die italienische Architektur im '18. Jahrhundert 
eingetreten. war, keineswegs zu beklagen Sein düffte- Im Gegentheile 
L 
 Vgl. A. v. Zahn, Barock, Rococo und Zopf (Zeitschrift für bildende Kunst 
1873, I. und II. Heft.) W. Schonidt leitet das Wort von perrucca (parrucca, 
barrucca. Perücke) her.
        

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