Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529567
44-1 
III. 
Buch. 
CRIL 
Die 
Historienmalerei 
in 
Prag 
und 
Wien 
nicht mit Unrecht die gegenüberstellen mm Führiclfs Meisterwerke 
unbeeinträchtigt geniessen zu können, darf manfseine Schrift von 
der Kunst nicht gelesen habenc. 
Die Fresken der Altlerchenfelderkirche, Welche er ebenfalls in 
einer Brochüre commentirte, nahmen die Zeit von 1854-1861 in 
Anspruch. Die Malereien des Presbyteriums, welche zumeist von 
seiner Hand sind, zeigen, dass er die Romantik und die damit ver- 
bundene Neigung sich an die altdeutschen Meister anzulehnen, voll- 
kommen verlassen und sich entschieden den Altflorentinern genähert 
habe, was nicht sofort nach seinem italienischen Aufenthalte her- 
vorgetreten war. Nur ein gewisser genrehafter Zug war zurück- 
geblieben, welcher ihn zu besonderer Vorliebe für das Idyllische und 
F amilienhafte der heiligen Geschichte drängte, wozu er übrigens 
durch eine seltene Versenkung in seinen Stoff auch nach seiner 
materiellen Seite hin vorzüglich befähigt war. Dieser Neigung ver- 
mochte er in Einzelbildern und cyklischen Illustrationscompositionen 
noch mehr zu genügen, als bei jenen epischen Aufgaben. Kleinere 
Statfeleibilder, wie wder Gang nach dem Oelbergect) und besonders 
das unvergleichliche Bild wder Gang Marias über das Gebirgec tt) 
erheben sich zu. wunderbarer Schönheit. Erscheint uns des Künst- 
lers Wortttt): wAlS der Fuss der Gebenedeiten durch Feld und 
Haine und Gebirge wandelte, ward die Natur von der Gnade berührt; 
ihre erstorbenen Züge belebten sich mit neuem Leben unter dem 
Strahle unbedingter, gänzlich unentweihter Schönheitc, als eine im 
didaktischen und beweisführenden Vortrage unstatthafte Schwärmerei, 
so ist die poetische Schönheit dieses Gedankens im xGang Mariensc 
mithin im Kunstwerk unbestreitbar. Zugleich lehrt der Vergleich 
dieses mit dem ebenfalls im Belvedere befindlichen Werke xdlß Ein- 
wohner Jerusalems sehen kurz vor der Eroberung der Stadt durch 
Antiochus Epiphancs in feurigen Wolken die Erscheinung einer 
Beiterschlachtc, wie ungleich geringer die Gabe, eine bewegte Hand- 
lung darzustellen, dem Meister verliehen war, dessen Domäne das 
Liebliche, Beseligende und Trostreiche war. Auf diesem Gebiete 
bewegte er sich auch im letzten Jahrzehent ausschliesslich, indem 
 
 Im Besitz des Hrn. Ferstel in Wien. 
w") 1841 Belvedere-Gallerie in Wien. 
m'a) V01! der Kunst IV. S. 35.
        

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