Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525381
die Kunst, das Abbild geben musste. Noch Inehr als irgendwo war 
aus ihr dort leere Decoration geworden und damit dem flachsten Vir- 
tuosenthum das Monopol in die Hand gegeben. Auch die hervor- 
ragendsten Meister dieser traurigen Epoche erheben sich nur manch- 
mal über dieses Niveau, auf welchem sich Hunderte von Dutzend- 
malern mit gleicher Fertigkeit bewegen, während sie es aller solideren 
Intentionen, aller Originalität und Tiefe ermangelnd Weder erstrebten 
noch verdienen, ihre Namen der frühen Vergessenheit zu entziehen. 
Wendet man doch jetzt mit Recht selbst den besten Kräften dieser 
Zeit bald den Rücken, wie dem Neapolitaner Solimena (T 1747), der 
zu den unteritalisehen Naturalisten in der Art des Schnellmalers 
Luca Giordano als der hervorragendste zählt; oder dem S. Conca 
 1'764), S0lin1ena's seiner Zeit berühmtem Schüler, welcher den 
Styl seines Meisters mit dem des Manieristen P. da Cortona zu ver- 
binden strebte; ja selbst einem Tiepolo (T 1'769), welcher Wenigstens 
in momentan packender Weise" und nicht ohne Reiz, wenn auch 
mit allen Mitteln frivolen Virtuosentliums die venetianische Schule zu 
Grabe geleitet, während sein verdienstvoller Landsmann Ant. Canale 
(T 1768) in etwas einseitiger Weise die Lagunenstadt noch vor dem 
völligen Sturz ihrer Grösse in zahlreichen Veduten zu verewigen 
sticht. Wie unbedeutend erscheint endlich auch ein P. G. Batoni 
(T 1'787), der noch zu Mengs" Zeit als dessen hervorragendsler Nebena 
buhler selbst über Italien hinaus gefeiert Ward, seine kunstgeschicht- 
liche Bedeutung aber vornehmlich dem Umstande verdankt, dass er 
gleichsam der letzte seines Geschlechtes gewesen. 
Plastik und Architektur gingen in Italien denselben Weg, nein- 
lich in einträchtiger Verderbniss zunächst die Bahnen Berninfs. Es 
wurde in der Plastik damit nichts gewonnen, dass die Künstler sich 
gelegentlich auf die Antike besannen; denn sie passte nur mehr 
stückweise in die überbewegten und verdrehten Compositionen, oder 
sie benahm in rein formaler unverstandener Uebertragtlng und ober- 
flächlicher Nachbildung dem Ganzen noch den Rest von harmonischer 
Belebtheit und Wahrheit. Die antiken Vorbilder eingehender zu 
Rathe zu ziehen, konnte sich auch bei der zunehmenden Hassen- 
produetion zumal an den genauerer Betrachtung entrückten Attiken- 
decorationen oder dem statuarischen Schmuck der Balustraden auf 
der Höhe der Gebäude kaum verlohnen. Wo die Werke in selb- 
ständigerer Weise aufzutreten hatten, da gab man ihnen grössere
        

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