Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529501
unter Cornelius Leitung erwachsen sahen. Nur an einer Schule 
aber, nemlich in Wien, beruht der Aufschwung zum grossen Theile 
auf einer Persönlichkeit, welche bei geringem Zusammenhange mit 
den beiden Hauptpflanzstätten dem eigenen Genius ihre bahn- 
brechende Entwicklung verdankte. 
Betrachten wir daher die Wiener Schule vorweg und zwar in 
Verbindung mit Prag, wo zwei ihrer Altmeister vorher gewirkt hatten, 
ehelsie nach Wien gelangten. Es bedarf wohl kaum der Bemerkung, 
dass die Behandlung der Kunst auf die politischen Gränzen so wenig 
Rücksicht nehmen kann, wie die Behandlung der Sprache, weshalb 
wir die Kunststädte Prag und Wien auch noch nach 1866 Zu den 
deutschen zählen dürfen und müssen. Ueberdiess gehörten die Lande 
Oesterreichs, deren Haiuptstädte sie sind, wenigstens in der hier in 
Rede stehenden Zeit auch in politischem Verbande zu Deutschland. 
Es ist bekannt, wie lange Wien gezögert hat an dem allge- 
meinen Aufschwunge Deutschlands in wissenschaftlicher und künst- 
lerischer Beziehung Antheil zu nehmen. Selbst Prag konnte daher 
der erst seit einigen Jahrzehenten wahrhaft grossartig aufstrebenden 
Donaustadt vorauseilen, und in der Zeit, in welcher München die 
früher beschriebene Kunstblüthe erlebte, fiel überhaupt in der öster- 
reichischen Monarchie nur auf Prag ein Streiflicht jenes neuen Tages 
der Kunstentfaltung am Tiber und an der Isar. F. Tkarllik, geb. 1786 
zu Unhoscht, 1' 1840 zu Prag, der Nachfolger des 1829 verstorbenen 
Direktors der dortigen Kunstschule, des Mengsianers Bergler, hatte, 
im reifen Mannesalter (1825) nach Rom gelangt, in der dortigen 
Nazarener-Genossenschaft gesucht, die akademische Weise seiner 
Schule los zu werden, vermochte jedoch nicht sich der Eindrücke 
seines früheren Unterrichts ganz zu entledigen. In missverstandenem 
Streben pflanzte er auf die ererbte schönfärberische Tendenz einen 
gewissermassen ascetischen Styl, der sich in Härte der Zeichnung 
und des Colorites ausprägte. In religiösen Bildern höherer Ordnung 
erreichte er jedoch nur ausnahmsrveiseit) und später eine nennens- 
werthe Höhe; mehr in religionsgeschichtlichen oder legendarischen 
wie dem mnadonnenmalenden hl. Lucasc, sS. Adalbert von Monte 
Cassino nach seiner Heimat Böhmen zurüekkehrende, im vTod der 
h. Ludmillac, der vAndaeht des h. Wenzela u. s. w. Doch muss er 
lith . 
Pietä, 
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mld.
        

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