Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529449
Karl des Grossen in der Villa Donner zu Altona, welche nach den 
Gegenständen zu urtheilen dem Bestellzweck entsprechend, mehr dem 
weltgeschiehtlichen Genre anzugehören scheinen, und einen Carton 
zu dem Hauptfenster des Parlamenthauses zu Edinburg, welcher die 
Eröffnung des Civilgerichtshofes in Edinburg durch König Jacob V. 
i. J. 1532 darzustellen hatte. Ich kann mir das letztere Werk nicht 
anders erklären, denn als eine Ironie auf Glasmalerei und auf die 
Steifheit eines britischen Repräsentativaktes, zu welcher die beige- 
zogenen Hilfsmittel aus der Zeit, worunter die grossen englischen 
Goldmünzen (Nobles) unverkennbar sind, ein nahezu tödtlichcs Material 
lieferten. Es mochte für den Künstler eine wahre Erholung gewesen 
sein, jener ganz verunglückten Schöpfung seine imposante Stindfluth- 
entivürfe, eine aCaritasct) oder das sTarandatleik nach Walter von 
der Vogelweide folgen zu lassen, zu welch' letzterem Werke der nur theil- 
weise erfüllte Wunsch des Königs nach Compositionen zu den deutschen 
Dichtern des Mittelalters die Veranlassung gegeben. Auch diese beiden 
Illustrationen zu dem, was Heine aEvangelium des Fleischesc nennt, 
werden in ihrer gesunden, reizvollen Sinnlichkeit ihren Platz behaupten, 
 wenn auch die trefflichen photographischen Nachbildungen das wun- 
dervolle Oelbild der Caritas, das für Europa verloren ist, nicht ganz 
ersetzen können. Minder gelungen muss Amor und Psyche, trotz 
der unvergleichlichen Schönheit des geflügelten Knaben, genannt 
werden, da wenigstens die letztere ihrem Wesen in ihrer buhlerischen 
Auffassung durchaus nicht entspricht. 
In den letzten Jahren entstanden noch zwei Monumentalwerke- 
aus eigenem Antriebe des Meisters: xPGtGF Arbuesc und xNOYOQ. 
Das ersterettt) ist der Ausdruck der Entrüstung des Künstlers über 
des Inquisitors Canonisirung, und Entrüstung ist wohl nie die geeig- 
nete Stimmung eines Künstlers. Selbst an den Opfern der Inqui- 
sition wollte die Schönheit nicht gelingen, und wenn der Meister 
auch erreichte, was er wollte, nemlich die Indignation, die ihn 
erfüllte, im Beschauer des abschreckenden spanischen Petrus zu 
erwecken, so vermochte er doch nicht  und das wäre eine dem 
Künstler näherliegende Atlfgalae gewesen  Sympathie für die Opfer 
i) (1868) Im Besitz des Hrn. Rohasco in Boston. 
M) Entstanden aus einer flüchtigen unter dem Eindrucke 
Atelierwand gesetzten Kohlenskizze. 
der Nachrichten 
3,1l
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.