Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529420
seiner Weise begeisterte. Griechenthum und reiche mannigfaltige 
Bewegung kam seinem Forrllen- und Schönheitssinn wie selten ent- 
gegen; es reizte dazu der Gegensatz der Asiaten gegen die Hellenen, 
endlich der neue und gewaltige Schauplatz, der ihm das aufgewühlte 
Meer mit Schiffbruch als Folie darbot. Es ist kein Zweifel, dass 
das Werk, wenn auch nach Vollendung des Cartons überschtvenglich 
als seine bedeutendste Schöpfung gepriesen t), zu des Meisters her- 
vorragenderen Arbeiten gehört. Doch die Probe, welcher es der 
Künstler coloristisch unterwarf  hielt es nicht aus und mit der 
dem grossen Manne eigenen Selbsterkenntniss beschied er sich die 
grossen Erfolge, die er auch in coloristischer Beziehung in Berlin 
errungen, nicht durch einen Misserfolg zu trüben. Er beschränkte 
sich daher wieder auf jene cartonartige Malerei en grisaille, welche 
er auch in Raczynskfs Hunnenschlacht angewandt hatte. Dadurch 
wurde der Eindruck bunter Unruhe vermieden und dem Meister, 
welcher immer selbst seine plastische Neigung erklärte und in der 
Farbe sich den coloristischen Meistern seiner späteren Zeit gerne 
unterordnete, vergönnt der reinen Formfreude durch neutrale Model- 
lirung zu huldigenttt). Dafür lieferte er 1859 dem germanischen 
Museum einen prächtigen Beitrag durch das grosse farbige Wand- 
gemälde ßKaiser Otto III. lässt die Gruft Carl des Grossen im Münster 
zu Aachen öffnenct). 
Was Kaullaach ausserdem und in dem Jahrzehent seit seiner 
Rückkehr von Berlin bis zu seinem Tode geschaffen, zeigt ihn 
nicht immer auf gleicher Höhe. Noch die volle Kraft entfaltet die 
Kohlenzeichilung, vdie Ermordung Cäsanse, noch vor Vollendung der 
Museumsfresken entstanden. Minder glücklich war er in seinen schon 
1850 begonnenen Compositionen zu Shakespeare, Scenen aus Mac- 
beth, dem Sturm und König Johann darstellendi-T), in denen nur 
a") Deutsches Kunstblatt Nr. 27. (A. Zeising). 
M) Farbenskizze irn Museum zu Stuttgart. 
11W) Das grcssartige Werk, welches 1869 in der internationalen Ausstellung 
zu München eine ausserordentliche Anziehungskraft äusserte, ist mit der übrigen 
geschichtlichen Serie durch die Verhältnisse des Aufstellungsortes (Maximilianetlm 
zu München) leider noch schwer zugänglich. 
T) Im Hauptsaale des germ. Museum, der ehem. Karthäuse1'kircl1e, zu Nürnlaerg. 
H) Gest. von E. Eichens, A. Hoffmann, L. Jacoby, E. E. Sflläfer und 
G. v. Gonzenbach.
        

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