Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529387
so steht doch die Schönheit und deren künstlerische Vertreter, ein 
Homer und Phidias, als der ewige Typus für Hellas vor aller 
Augen da. 
Die beiden folgenden Bilder, Zerstörung von Jerusalem und 
Hunnenschlacht, erfüllen ihre Aufgabe nicht ganz. Denn der Sieg 
des Christenthums im ersten, wie der Untergang des RönlerthlllllS 
im letzteren sind in denselben mehr angedeutet als dominirend aus- 
gesprochen; der Schwerpunkt liegt auf einer anderen Seite. Nament- 
lich im letzteren, wo der Ausgang unentschieden erscheint und über- 
diess ein Volk als Träger des Culturkampfes erscheint, welches zwar 
den Anstoss zu jener Völkerbetvegtmg gab, die dem Römerthum den 
Untergang bereitete, 'we1ches aber im weltgeschichtlichen Epochenbild 
unmöglich für die Germanen substituirt werden durfte. Die beiden 
für sich, wie früher gezeigt worden ist, gewiss höchst grossartigen 
und hochbedeutenden Werke prangen hier, nicht weil sie sich der 
Phantasie des Künstlers als die entsprechenden Repräsentanten der 
Epoche darstellten, sondern weil sie bereits vorhanden waren und 
ihre Wiederholung  an sich nicht erquicklich  erscheint daher 
xiorzugstveise als Arbeitsersparung. Auch das fünfte Bild xdie Kreuz- 
fahrer vor Jerusalema geht auf einen älteren ausserhalb des Zu- 
sammenhanges des Treppenhauscyclus hergestellten Entwurf zurück; 
doch lässt sich nicht leugnen, dass der erste Kreuzzug die Blüthe 
des Mittelalters, die siegreiche Verbindung von Religion und Ritter- 
thum darstelle. Nur ist das Werk weniger als die übrigen symbo- 
lisches Epochen- als vielmehr Geschichtsbild. Verfasser muss sich 
den gegnerischen Stimmen und dem zu weit gehenden ästhetischen 
Kampf gegen Symbol und Allegorie gegenüber durchaus auf den 
Standpunkt stellen, dass nach der ganzen Art des Unternehmens 
hier nur eine symbolische Combination am Platze sein könne; denn 
eine Culturgeschichte der Menschheit lässt sich nicht in sechs geschicht- 
lichen Ereignissen concentriren. Diese können nur dann mit Fug 
gewählt werden, wenn sie nur den Hintergrund bilden und so be- 
handelt sind, dass die culturgeschichtlichen Ursachen und Wirkungen 
genügend betont sind und das Epochebildcnrle zum umfassenden 
Ausdruck kommen kann. Den Kreuzfahrern gegenüber, in welchen 
diese Forderungen nicht erfüllt sind, wird Niemand sich des episo- 
dischen Eindrucks erwehren und das vereinzelte F aktüm für aMittel- 
alter und Ritterthunic nehmen können. Ascese, transcendentale
        

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