Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529377
Kam 
baclfs 
Wandgemäld e 
im 
Tr eppenhause 
des 
Museunfs. 
425 
genannten Compositionen der wlßlall Babefsc, wHonler und die Grieche-m 
und die schon früher skizzirtcn vKreuzfahrerc bald widerspruchslos zur 
Ausführung beschlossen waren, entspann sich doch über den Gegen- 
stand der sechsten und letzten (lomposition, das Zeitalter der Refor- 
mation, eine länger dauernde Controverse. 
Sechszehn Sommer, von 1847-1863, wurden durch das um- 
fängliche Werk in Anspruch genommen, nicht zu viel, wenn man 
sie mit den zwanzig Jahren vergleicht, welche Cornelius, Herstellung 
der Gartens zur Hälfte des Camposantocyclus erforderten, und bedenkt, 
dass die symbolischen Einzelfiguren, Pilasterverzierungen, der Kinder- 
fries u. s. w. die Arbeit nahezu verdoppelte. Von den Hauptge- 
mälden war der Fall von Babel zuerst begonnen und schon 1848 
vollendet worden. Natürlich konnte hier nur an eine symbolische 
Darstellung des Auszugs der Stämme Noahs, der Semiten, Hamiten 
und Japhetiden als der Verbreiter der Racen über die Erde gedacht 
werden, und diese Aufgabe erscheint treffend gelöst. Der Künstler, 
Welcher frühzeitig psychologische Typen cultivirt hatte, erfreute sich 
auf einige Zeit besonders an dem Versuche Raceiltypen zu klarer 
Darstellung zu bringen, wie die Entwürfe zu einer tmausgeführtcn 
Löwenjagd, namentlich aber die Hunnenschlacht zeigen. Das Bild 
bot nun reiche Gelegenheit die Gegensätze gleichsam zu confrontiren 
und man wird schwerlich irren, wenn man diese Absicht als haupt- 
sächlich maassgeluentl für die Wahl des Gegenstandes bezeichnet. 
hVäihrienfl aber der Künstler in der Darstellung der älteren Hamiten 
beinahe bis zur Carricatur characterisirt, erscheint in den jugend- 
lichen und weiblichen Gestalten eine Fülle von Schönheit, die an 
Werth dadurch keineswegs verliert, dass diese aus keinem absoluten. 
sondern aus einem bestimmten Racenideale entwickelt ist, ohne, war 
hier so nahe lag, in individuelle und Modell-Erscheinung zu verfallen. 
In absoluter oder richtiger hellenischer Idealschönheit schwelgt förm- 
lich das zweite (drittausgeführte) Hauptbild sdie Blüthe Griechen- 
landsc. Obwohl Culturbild im Allgemeinen, so handelt es sich hier 
vorab um das Schöne in Natur und Kunst, nicht um Wahres und 
Gutes. lst daher auch das ganze Wesen des Griechenthums nicht 
so erschöpft, wie es der Ethiker verlangen würde, so ist doch das 
Griechcnthum nach seiner Hauptseite charakterisirt; denn so bezeich- 
nende Gestalten auch ein Perikles und Alkibiades, ein Platon oder 
Aristoteles für das politische und geistige Leben der Nation sind,
        

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