Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529340
Thüringent), Petrus und der Zauberer Simon in Samariaft), Faust 
und Gretchen im Gartenttt) und Heilung der blutfiüssigen Frau 
(Luc. VIII. 41. fg.)  
Für die Beurtheilung des Meisters haben indess diese Neben- 
arbeiten wenig Werth, ja sie vermöchten dieselben eher zu trüben. 
Denn nur in den grössten Aufgaben kamen die mächtigen Schwingen 
seines Genius ganz zur Entfaltung. Kleines, ja selbst Grosses, wenn 
es vereinzelt (lastehen sollte, vermochte ihn nicht genügend anzu- 
regen. Denn die reine Formfreude, welche den Grundzug des Wesens 
seines grossen Schülers und Rivalen ausmachte oder das Düssel- 
dorfische System, den Gegenstand gleichsam nur als Vorwand for- 
malen Schaffens zu behandeln, war ihm nicht blos fremd, sondern 
er verhielt sich dagegen beinahe feindlich. Idealist im vollsten Sinne 
des Wortes, dem es blos auf die künstlerische Verkörperung seiner 
supranaturalistischen Ideen ankam, betrachtete er die Form lediglich 
als die knechtische T rägerin seiner Gedanken, deren Naturwirklieh- 
keit er nur nebenher in Betracht zog. Ebenso antipathisch wie die 
naturalistische Farbe war ihm daher das Natursttirlium nach dem 
Modell, und es scheint, dass seine letzten Werke fast ganz ohne 
dasselbe entstanden sind. Dass eine solche Vernachlässigung der 
Natur nicht ungestraft bleiben konnte, ist selbstverständlich. Denn 
wenn auch die Behauptung von Mangel an anatomischen Kenntnissen 
absurd ist, so ist doch unleugbar, dass des Meisters Formgedächtniss 
nicht selten schwach erscheint, und dass die häufigen, beinahe 
unglaublichen Verzeiehnungen, die dem formalgestinlmten BQIPEIClIlGI" 
in hohem Grade widerwärtig sein müssen, leicht zu vermeiden gewesen 
waren, wenn er bei der Ausführung seiner Entwürfe die Natur 
gründlicher hätte zu Rathe ziehen wollen. Wer das Modell kennt, 
wird indess begreifen können, wie es dem idealen Wesen des Meisters 
widerstrebte, seine erhabenen Vorstellungen durch dasselbe erniedri- 
gen und ephemerisiren zu lassen. Dem grossen Publikum aber, 
das in der Kunst eine angenehme Illusion sucht, wird es nicht zu 
i) (1852) Tuschzeichnung im Besitz der Fürstin Hohenlohe in Wien, auf 
Holz gezeichnet v. J. Schnorr, geschnitten v. Gaber. 
M) (1852,) T uschzeichnung, im Besitz der Generalin Radowitz in Berlin, 
 (1859,) Tuschzeichnnng, im Besitz desvDr. Erhardt in Rom. 
T) (1860,) Im Besitz der Wittive des Meisters, nunmehrigen Sgra. Bajardi 
in Urhirm.
        

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