Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529271
Ausdrucksform des Fresco- und Oelbildes aber ist so verschieden, 
wie die von, blarmoi" und Bronze, so verschieden, wie sie sogar bei 
demselben Stoffe je nach der Behandlung wie z. B. in Guss, getrie- 
bener, gepresster Arbeit u. s. w. auftritt. Der Meister hatte sich 
eben in der Technik. vergriffen und dadurch seinen Styl verwirrt. 
Man mag die Einseitigkeit tadeln, dass er den Oelstyl vernachlässigt 
hatte, noch mehr, dass er sich dennoch auf das ihm fremde Gebiet 
wagte; aber es war ein grosses Unrecht, nach dem Raczynskfschen 
Bilde den ganzen Künstler zu beurtheilen. 
Gerechtfertigter War die öffentliche Missstimmung über die Ent- 
würfe zu Tassos befreitem Jerusalem, geschaffen als Grundlage für 
sechs lebende Tableaux, die bei einem Hoffeste im Carneval 1843 
zur Darstellung kamen, in hohem Grade flüchtige, uncorrecte und 
wunderliche Concepte, deren Publication durch den Sticht) er unbe- 
dingt nicht und am wenigsten damals hätte gestatten sollen. Ent- 
würfe zu Medaillen, welche der König von dem Meister verlangt und 
selbst die schönen Compositionen für den Silberschild, den der König 
als Pathengeschenk für den Prinzen von Wales an die Königin von 
England sandte  konnten für die vorgenannten Leistungen um so 
weniger entschädigen, als man Anderes und Bedeutenderes, vor Allem 
Thütigkeit in seinem eigenen Gebiete von dein Maler gewärtigte. 
Dass aber jene Leistungen nicht, wie Berlin meinte, einen Nie- 
dergang; der Kunst Cornelius bedeuteten, sollte er nun dem spröden 
Publikum zu zeigen Gelegenheit haben, als der König zur Verwirk- 
lichung seines Lieblingsgedankens, des neuen Berliner Dombaues mit 
Königsfriedhof, schritt. ITmnittelIJar nach Vollendung des Raczynski- 
sehen Bildes war der Meister wieder nach Rom gegangen, das ihm 
nun in Folge der frostigen Haltung der nordischen Hauptstadt doppelt 
zur Heimath geworden war, um den Cyklus der Friedhofsgemälde 
dort zu entiverfen. Schon seit 1813 schwebte ihm das achristlißllß 
Epose, dessen ausgedehntere Darstellung in der Ludwigskirche ihm 
i) Die Originale im Besitze des Buchhändlers G. Reimer in Berlin; gest. 
v. Eichens, Berlin 1843. Heimer. 
"Ü Die Umrisszeichnung, um ein reichverziertes Kreuz, im Rundfries Christi 
Einzug in Jerusalem, den Verrath des Judas, die Grablegung, die Auferstehuuw 
das Piingstfest. die 'l'aufe durch die Jünger und endlich die Reise zur Taufe  
Pathen darstellend, im Besitz des Prof. Dr. Hiihnel in Dresden, gest. in (5 Blättern 
V. Holfmailn und Schubert. 
Reimer 
Berlin; 
SCSL
        

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