Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529267
sein, und wurde ihm um so unerquicklicher und der öffentlichen 
Stimmung gegenüber nachtheiliger, als die Malereien, zu, welchen er 
als wirklich thätigen Stellvertreter seinen Freund G. Herrmann aus 
München berufen hatte, in manchem Betrachte misslaimgen. Sonst 
benutzte er die Pause in eigener monumentaler Thätigkeit zur Aus- 
führung seines schon früher von dem Grafen Baczynski bestellten 
Oelbildes, adie Höllenfahrt Christiaf"), in ebenfalls nicht glücklich 
gewählter Zeit und Weise. Es war für die Ludwigskirche nach dem 
ersten erweiterten Programme entworfen worden und eignete sich 
weniger zum Staffeleibilde als zur Wandmalerei in grösseren Dimen- 
sionen. Die Oelmalerei, nie des Meisters Stärke, war ihm nach 
zwanzigjiiliriger ausschliesslicher Carton- und Frescothätigkeit nicht 
geläufiger geworden. Die Farbenzusannnenstellung ist unleugbar hart, 
und namentlich in den Gewändern finden sich selten die sich ent- 
sprechenden Licht- und Schattenfarben, wodurch das Colorit häufig 
etwas schillernd Unwahres erhält. Ferner lässt die Sorgfalt der 
Ausführung doch vielfach das spezielle ltilodellstudium vermissen, 
was in der Lapidarschrift und idealen F ormverallgeineinerung des 
Fresco nicht blos Weniger auffällt als im Oelbild, sondern sogar dort 
gerechtfertigt erscheint. Ebenso tritt hier die etwas gereckte Art 
und Geberde, welche an den Wandgemälden den Eindruck mächtiger 
Grossartigkeit steigert, unangenehm entgegen. Die Arme des Hei- 
lands erscheinen geradezu gespreizt; der Linienzug ist überhaupt 
nicht selten unschön, wie an den parallelen Armen bei den Männern, 
und der Ausdruck erscheint manchmal starr und outrirt. Ja, der 
unter allen Malern der Neuzeit unübertroffene Meister der Raum- 
benutzung; erscheint nun selbst hierin schwach. Ohne Grund steht 
der Heilantl zu weit zur Linken, und auch die Seitengruppen sind 
nicht an der ihnen nach dem architektonischen Gleichgewicht einer 
Composition zukommenden Stelle. Ich schreibe diese Beurtheilung 
laeinahe wörtlich nach meinen vor dem Bilde und nach langer Be- 
trachtung gemachten Notizen und finde nach dem mir gebliebenen 
Eindruck im Einzelnen nichts daran zu ändern. Doch ist mir völlig 
klar geworden, worin diese Gebrechen zumeist beruhen. Das Bild ist 
nemlich styllos: im Frescostyl gedacht und gezeichnet, wurde es in 
ungenügender Uebersetzung in Oel auf Leinwand übertragen. Die 
Raczynskigal 
Berlin. 
Nr
        

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