Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525347
der in Italien gesehenen Volutenformen ihren Grund haben: denn 
im Grunde genommen mochte der ehrliche deutsche Werkmeister 
der Entstehung des italienischen Renaissanceornaments kein tieferes 
Verständniss entgegengebracht haben, als beispielsweise der italienische 
Architekt des 13. und 14. Jahrhunderts dem Wesen der gothischen 
Krabbe oder Kreuzblume. 
Diese anmuthige wWildheitc in der deutschen Frührenaissance 
währte bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Doch waren schon 
vorher in ganz vereinzelten Fällen auch italienische Architekten zum 
Schlossbau herbeigerufen worden, wie zum Bau des Schlosses zu 
Landshut. Auch -die schönste Frucht der deutschen Frührenaissancti, 
der Otto-Heinrichsbau am Heidelberger Schlosse, ging der Einbürge- 
rung des Styles in Deutschland noch weit voraus (1556-1559). 
Und doch würde man, selbst wenn es nicht wahrscheinlich gemacht 
worden wäre, dass Kaspar Fischer und Jacob Leyder jenen Schloss- 
bau geleitet, den deutschen Geist an demselben nicht verkennen 
können, da die Gompositionen der gleichzeitigen michelangelesken 
Richtung Italiens wie der französische Styl (Louvre) der gediegenen 
Schöpfung ebenso ferne stehen, als die letztere ihr Hervorwachsen 
aus den deutschen Versuchen der ersten Hälfte des Jahrhunderts 
unverkennbar verräth. Denn die selbständige und reiche Entwicklung 
des Details der Fenster, Portale und Statuennischen macht sich noch 
immer laenmerklich, nur erscheint sie hier zum erstenmal harmonisch 
gepaart mit der gelungensten und stylgemässen Disposition der Massen 
wie des Ganzen. Zu einem ähnlichen Ensemble erheben sich die 
übrigen gleichzeitigen Schlossbatiten Deutschlands zu Dresden, Stutt- 
gart, Offenbach, Göppingen, Bayreuth, Merseburg, München (Münz- 
hof) u. s. w. keineswegs, wenn auch hervorragende andere Gebäude 
(Fürstenhof zu Wismar) und Privathäuser ihm manchmal nahe 
kommen. Auch die Hathhäuser der freien Städte erreichen jene 
Höhe nicht, zum Theil schon desshalb, weil sie gewöhnlich nur zu 
stückweiser Erneuerung Gelegenheit boten; unter solchen Anbauten 
aber zeigt der glänzendste, die Rathhaushalle zu Cöln, Weder die 
Reinheit des Styls und Feinheit der Durchbildung im Detail, noch 
die deutsche Originalität, wie der Otto-Heinrichsbau. 
Ehe jedoch dieser spezifisch deutsche Renaissancestyl zur allge- 
meinen Herrschaft gelangen konnte, musste er mit dem Ende des 
'16. Jahrhunderts bei stets wachsenden italienischen Einflüssen in gleicher
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.