Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529109
Akademie war dadurch erfolglos geblieben, dass noch vor Vollen- 
dung der Arbeiten auf dem Apollinarislaerge der königliche Auftrag 
an den Künstler ergangen war, die Kapelle des Schlosses Stolzen- 
fels auszunialen. Der kleine Raum, welcher nur lebensgrosse Figuren 
ermöglichte und die Betrachtung in unmittelbarer Nähe mit sich 
führte, veranlasste den Meister zu einer der Wandmalerei sonst unzu- 
träglichen Eleganz, Welche ihrerseits wieder der zierlichen Schöpfung 
deutscher Gothik den Charakter eines mit Miniaturen geschmückten 
Gebetbuches des Mittelalters verleiht, obwohl es der Künstler auch 
hier verstand, alles Kleinliche zu vermeiden. Bewundernswerth ist 
besonders die Benützung der durch die Baulichkeit äusscrst beschränk- 
ten und verschnittenen Wandflächen, ohne irgendwie Bcengung oder 
Zwang zu vcrrathen, ferner die empiindungsvolle Schönheit nament- 
lich der alttestamentlichen Darstellungen t). 
Wie Deger neben den Wandmalereien fast alljährlich auch ein 
Staffeleibild, hauptsächlich Madonnen in verschiedenen Auffassungen 
und weibliche Heilige darstellend schuf, so ist er nach Vollendung 
der Kapelle zu Stolzenfels, Welche sich jedoch sehr verzögerte, ganz 
zum Oelbilde zurückgekehrt und in diesem noch jetzt thütig, nicht 
bloss zahlreiche rheinische Kirchen mit seinen Werken schmückend, 
sondern auch Privatwüaischen zugänglichtt). Der bedeutenden Kraft 
wären wohl noch mehr monumentale Aufgaben zu wünschen gewesen. 
Unter den genannten Gehülfen Degeris bei den Malereien am 
Apollinarisberge ist Carl Müller, geb. 1818 zu Darmstadt der her- 
vorragendste. Aus Sohn's Malklasse mit Deger in Verbindung tretend, 
war er nach kurzem Schulaufenthalte zu Düsseldorf mit dem letzteren 
nach Rom gelangt und hatte dann ein Jahrzehcnd grösstentheils 
neben Deger in der Apollinariskirclte und zwar nach eigenen Ent- 
würfen gemaltüitt). Der raphaeleske Einfluss seiner vierjährigen 
a") Die Gemälde stellen dar: Adam und Eva, Abel und Kain, das Opfer 
Abrahams, König David, die Verkündigung, die Anbetung der Hirten, die Kreu- 
zigung, Auferstehung, Himmelfahrt und die Ausgiessung des h. Geistes. 
H) 1872 befanden sich bei Schulte eine Regina Coeli, ein Salvator Mundi, 
S. Sebastian und S. Joseph. 
h") Von ihm stammen daselbt in der Reihenfolge der Entstehungszeit die 
Gemälde: die Anbetung des Lammes, die Krönung Mariä. die Verkündigung, die 
Vermählung Mariä, der Besuch bei Elisabeth, die Geburt der Maria und die vor- 
bildlichen Frauen des alten Testamentes.
        

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