Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529098
grossen Cinquecentisteil vermochte jedoch ebensowenig wie der Ein- 
fluss des nazarenischen Altmeisters Overbeck die festgewurzelte 
Schulrichtung mit ihrer überwiegend dem Naturvorbild zugewandten 
Tendenz wie die Eigenart des Künstlers selbst ganz zu verdrängen, 
wenn er auch nach vierjährigen italienischen Studien eine etwas 
strengere Haltung zurückbrachte, die einerseits den Meister vor 
Ausartung in sentimentale Weichheit und lyrisches Verschwimmen 
bewahrte, anderseits aber weder das Gepräge ascetischer Formunlust 
noch copistischen Anlehnens an ältere Meister an sich trug. Als 
daher im Herbst 1343 die Freskoarbeiten selbst begannen und bis 
1851 in abgeschlossener Hingebung gefördert wurden, hatten die 
schönen Rheinufer ein wahres Schatzkästlein neuer religiöser Kunst, 
die Düsseldorfer Schule aber in diesem Gebiete den ersten Rang 
unter den deutschen Kunststätten gewonnen f). 
Ist früher die Harmonie der baulichen und farbigen Gestaltung 
der Münchener Allerheiligenkirche gerühmt worden, so gebührt dieses 
Verdienst in nicht geringerem Grade der Apollinariskirche. Wie 
jedoch jene Kapelle nach dem Willen des Erbauers ein archaistisches 
Gepräge, dem H. Hess in der byzantinisch-giottesken Auffassung 
seiner dortigen Gemälde in bewundernswerther Weise zu entsprechen 
verstand, nicht verkennen lässt, so ist hier der moderne Charakter 
in Bau und Malereien im besten Sinne des Wortes zur Geltung 
gebracht. Dass der Vorzug der letzteren Richtung gebühre, muss 
eine gerechte und von archäologischen Liebhabereien freie Beurthei- 
lung einräumen, wenn wie hier der moderne Geist dem Inhalte keinen 
Eintrag thut. Dass man aber zu weit ging, wenn man dem neun- 
zehnten Jahrhundert und dessen künstlerischer Darstellungsweise die 
Möglichkeit einer wahren und stylvollen, d. h. nach Inhalt und Form,. 
Denken und Wiedergabe harmonischen christlichen Kunst absprach, 
konnte Verfasser dieses Angesichts des Degefschen Cyklus mehr als 
sonst irgendwo empfinden. 
Eine mittlerweile erfolgte Berufung Degens an die Münchener 
i 
x) Von Deger gemalt sind in der Apollinariskirche nach der Reihenfolge 
ihrer Entstehung: die Kreuzigung Christi, Christus am Oelberg, die Geisselung, 
die Dornenkrönung, die Kreuzschleppung, die Colossalgestalt des Erlösers mit 
Maria und Johannes Bapt. den Erzvätern und Propheten im Chor, die Aufer. 
Stehung, unhefleckte Empfängniss, der h. Joseph und die Geburt Christi.
        

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