Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529010
eine ganze Generation hindurch, bis ein langes und schweres Lei- 
den seiner seit den fünfziger Jahren geschwächten Thätigkeit ein 
Ziel setzte. 
Noch nachhaltiger und vielseitig anregend war die Wirksamkeit 
Oarl Fried. Lessings, geb. 1808 zu "Breslau. Mit ungleich reicherem 
Material von romantischer Realität wie Hildebrandt und überhaupt 
mit künstlerischen Fonds ausgestattet wie wenige seiner Zeitgenossen, 
zeigt er noch entschiedener den Weg von der eklektischen Romantik 
Schadoiv's zur neuesten Richtung. Für ihn war der Stoff" nicht 
bloss dazu ausersehen, seine technische Tüchtigkeit zu manifestiren,_ 
sondern Gegenstand und Darstellung gingen in einander auf. .Wenn 
daher irgend einem Künstler des älteren Düsseldorfer Kreises Styl 
zuzuschreiben ist, welcher in jenem Einklang zu suchen ist, so ihm. 
Die Aneignung fremder Darstellungsmittel und die Verwerthung von 
Reminiscenzen nach den besten Meistern der Vergangenheit, worauf 
in der Hauptsache Mängel wie Vorzüge der Schule Schadow's in 
Düsseldorf wie Wach's in Berlin, beruhen, alles Traditionelle und 
Conventionelle war ihm, nachdem er einmal über die Anfangsgründe 
hinaus war, so widerwärtig, dass er den Einfluss von Gallerien sogar 
ängstlich vermied, und u. A. kein Verlangen fühlte nach Italien zu 
wandern. Für ihn war die Natur die Lehrmeisterin und diese sein 
Stoffgebiet. Erfüllt von romantischer Empfindung war er doch frei 
von fremder Anemptindung und bezog, wenn auch den Stoff, so doch 
den Ausdruck niemals aus anderen Canälen als aus den seiner 
eigenen Intuition. So musste er nothwendig bald zu jener Historie 
kommen, die ihm nicht vorgedichtet war, sondern die er selbstdichtend 
aus dem-realen Gebiete urkundlicher Geschichte schöpfen konnte. 
Da er vornehmlich durch eine Reise nach Rügen und die land- 
Sßhaftlichen Eindrücke derselben bestimmt worden war, dem Bau- 
fache, für welches er sich ausbilden sollte, den Rücken zu kehren, 
so erklärt es Sich leicht, dass er zunächst der Landschaft sich zu- 
wandte, in welcher er nach kurzer Lehrzeit bei Rösel und Dähling 
noch in Berlin 1826 sich bemerklich machte. Nahm er nun auch hierin 
einen entschieden realistischen Anlauf, der ihn von Haus aus von den 
landschaftlichen Stimmungsschwärmern Dresdens unterschied, so sollte 
doch Naturtreue nur Mittel nicht Inhalt seiner Darstellung sein, welcher 
vielmehr Subjektiv und der Ausdruck einer etwas düstern Stimmung 
war, die er durch eine passende Staffage allgemein verständlich zu
        

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