Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-529001
Wohlthätig mildert. Bei Delaroche kauern die Kinder noch unent- 
kleidet auf dem Lager und unterbrechen, dem unheildrohenden 
Geräusche lauschend, angstvoll ihr Gebet, Während ein Hündchen 
die vor der Thüre befindlichen Mörder wittert. Der Apell an das 
Mitgefühl, wie ihn Delaroche giebt, ist unzweifelhaft energischer; 
doch erscheint die Shakespeare-Hi]debrandfsche Scene von ungleich 
tieferer Wirkung durch die selbst die Mörder berührende ahnungslose 
Unschuld, in der die reizvollen Opfer schlafend dem Martyrium ent- 
gegengehen. Ist jedoch nicht die Erfindung, sondern nur die Wahl 
_des Malers Verdienst, so kann nicht geleugnet werden, dass Compo- 
sition und Durchführung, namentlich in der Knabengruppe "des grossen 
Vorbildes würdig und die vollendete Technik, harmonische Fär- 
bung u. s. w. selbst durch die genialen Effekte des französischen 
Meisters nicht in Schatten gestellt werden können. 
Hildebrandt selbst hat durch seine folgenden Arbeiten diese 
Leistung nicht mehr erreicht. Von den weiteren Shakespearebildern 
zeigen weder ader Empfang des Cardinals Wolsey im Klostere noch 
wHeinrich VIIM, noch wOthello, der dem Brabantio und der Des- 
demona seine Thaten erzähltaf), jene durchschlagende Bedeutung, 
,noch weniger die spätern aKönig Lear bei Cordeliens Anblick aus 
dem Wahnsinn erwachende (1851), wJulia den Schlaftrunk nehmende 
(1353), wArthur und de Burghk aus Johann VIII. (1855), vCordelia 
den Brief an Kent lesende (1859). Mehr gelungen erscheinen Einzel- 
figuren der Art des genannten Kriegers mit dem Kind, wie Doge 
und Tochter (1843) und die mehrfach wiederholte brieflesende Ital- 
lienerinfi"), oder Kindergenrebilder wie im wWeihnachtsabcndk. Am 
längsten hielt er sich im Porträt auf der errungenen Höhe, und galt 
mehre Jahrzehnte als der fashionable Maler am Rhein für männliche 
Bildnisse wie Sohn für das weibliche Porträt, wobei Hildebrandt 
seine von allem Idealisiren freie charaktervolle naturalistische Auf- 
fassung ebenso sehr zu Statten kam, wie C. Sohn der feine ideale 
Zug, der in seinen Damenporträts auch die difficilsten Modelle be- 
friedigte. Seit 1836 Professor an der Akademie zu Düsseldorf ent- 
faltcte Hildcbrandt überdiess einen bedeutenden Einfluss als Lehrer 
in 
letztere 
1847) im Besitz des deutschen Kaisers, das 
bei Schulte" in Düsseldorf, gest. v. Knolle. 
k) Beide (von 1842 und 
lebensgrosser Ausführung 
H) Gest. v. Voigt.
        

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