Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528862
Weil aber im entschiedenen Gegensatze zur Münchener Schule 
die Oelmalerei als die vorherrschende Technik betrachtet und die 
technische Seite der inhaltlichen wenigstens gleichgestellt ward, so 
begreift sich leicht, dass die eklektische Tendenz der Schule ihr 
Augenmerk besonders auf jene unter den italienischen Malerschulen 
richtete, welche dem Colorit in erster Linie gehuldigt hatte, neinlich 
auf die venetianische. Wie die sikyonischen Chrestographen die 
Enkaustik erfunden, so haben die Düsseldorfer die venetianische 
Technik gleichsam wieder einzuführen gesucht, welche auf grau in 
grau hergestellter Untermalung mit daraufgesetzten Lasuren beruht 
haben sollt). Mehre Jahre lang überwog in der That die Cultivi- 
rung und Weiterentwicklung dieser Neuerung, somit das rein Tech- 
nische, das eigentlich artistische Interesse, und es ist nicht zu leugnen, 
dass viele Erfolge der Düsseldorfer diesem Umstande zu danken sind. 
Sie führte indess den nicht zu unterschätzenden Vortheil mit sich, 
dass man dadurch zu gesteigertem Bestreben angeregt ward auch 
in jeder anderen formalen Hinsicht dem errungenen Vortheile gleich-- 
zukommen, und dass der Düsseldorfer Boden dadurch wesentlich 
vorbereitet ward, in der folgenden Periode der Realistik und Coloristik 
doppelte Früchte zu tragen. Schadow konnte sie noch sehen und 
trotzdem, dass er sich frühzeitig in Folge zunehmender nazarenischer 
und propagandistischer Gesinnung mit den weiteren Fortschritten in 
einseitige Opposition stellte, 1862 den Ruhm mit sich in's Grab 
nehmen, doch durch die von ihm begründete Schulrichtung den Weg 
zur neuesten Kunst mit gebahnt zu haben.  
Die Einflüsse aus dem Lustrum des Cornelius-Direktorats, mit 
welchen Schadow etwa zu rechnen gehabt hatte, waren kaum nennens- 
werth. Der treffliche Professor G. J. J. Mosler, geb. 1788 zu 
Coblenz, Cornelius Jugendfreund und Gehülfe bei Einrichtung der 
Düsseldorfer Akademie, hatte schon vor Schadow's Ankunft der aus- 
übenden Kunst entsagt und sich der Kunstwissenschaft, den Kunst- 
vereinsangelegenheiten und dem Handzeichnungs- und Kupferstich- 
kabinet gewidmet. Auch der wackere Inspektor J. VWntergerst trat, 
 Schadow stellte für die sog. venetianische Manier ein Probestück in seiner 
Herodias mit dem Haupte Johannis (1842) auf. Die Entdeckung ist jedoch schon 
von Anton Dräger (einem Schüler Kügelgens, 1' 1833) gemacht und von dem 
Architekten R. Wiegmann 1835 in Düsseldorf importirt worden.
        

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