Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528842
der Akademie unabhängigen Ateliers übertragen ward. Es War 
nicht so zahlreich besucht wie das Wachls, von weichem später 
noch die Rede sein wird, aber in seiner schulgerechten Atmosphäre 
begann eine Reihe höchst bedeutender Talente die ersten Triebe zu 
entfalten, wie Kunze, Wegert (beide leider früh verstorben), Hühner, 
Köhler, Bendemann, Sohn, Mücke, Hildebrandt und Lessing. Der 
Meister, welcher damals noch mehr als das Haupt von Gleiches- 
anstrebenden, denn als erfahrener Leiter sich betrachtete, hatte aber 
die Gabe, die Talente nicht blos zu erkennen, sondern auch an sich 
zu fesseln, und so war er nicht minder als Cornelius, als er 1826i 
nach dessen Abgang von Düsseldorf in seine Stelle eintrat, bereits 
von einem ziemlich entwickelten Kreise erlesener Jünger, welche die 
mit Cornelius abgehenden Kräfte ersetzten, gefolgt worden. Und es 
ergab sich wie einst zu Sikyon: die schulmässige Zucht wie jede 
sichere technische Basis war den Jüngern keineswegs schädlich und 
schreckte selbst schon zur Meisterschaft entwickelte Talente nicht 
zurück, das letztere um so weniger, als der Meister es mehr als 
Cornelius verstand, den Eigenthtimlichkeiten der Einzelnen Rechnung 
zu tragen und nicht blos die monumentale Kunst als pflegeberechtigt 
erkannte. Es ist daher, was schon angedeutet worden, wohl kaum 
gerechtfertigt, wie es geschehen ist, in der Besetzung des Düssel- 
dorfer Direktorats durch W. Schadow einen den Verfall der Akademie 
bedeutenden Missgriff der Regierung zu sehen, indem, wenn auch 
nicht so sehr in der Absicht als in den Folgen, vielmehr in dem 
Beschluss ein Akt der Rettung oder wenigstens der Förderung vieler 
von Cornelius brachgelegter Kunstzweige lag. 
Dabei kann jedoch W. Schadow auch nicht entfernt zur künst- 
lerischen Höhe eines Gornelius emporgeschraubt werden. Er war 
vielmehr weit tiberwiegend Lehrer, und als Künstler nur so viel, als 
es für den Lehrer wünschenswerth war. Er verstand es, sich das 
Gute und Vollendete, tvas er vorfand, anzueignen; es aus sich selbst 
neu zu schaffen, war ihm versagt. Sein Wesen war eklektisch und 
seine Bedeutung im Eklekticismns beruhte in seiner. scharfen Erkennt- 
niss des Wesens der verschiedenen Vorzüge. War Cornelius der 
Philosoph unter den Künstlern, so erscheint Schadow als der Logiker; 
beherrschte jenen der Inhalt, so diesen die Form. Regel- und 
Folgerichtigkeit standen bei ihm obenan, und beschnitten fortgesetzt 
die ohnehin nicht weitspannenden Fittige seiner Phantasie. Sein
        

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