Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525311
fangs in der Periode des Mischstyles, wie ihn namentlich Lüttich 
aufzuweisen hat, erscheint der Import von Italien direkt; 610611 ist 
die bauliche Thatigkeit mit der malerischen auch nicht entfernt Zll 
vergleichen. Im 17. Jahrhundert aber lässt die Knechtung der west- 
lichen Provinzen durch die Spanier und der langwierige Kfiegsmußli 
der monumentalen Thätigkeit Wenig Spielraum, namentlich seit 
Rubens Hingang. Das republikanische Holland aber erhebt 81011 
in seiner etwas nüchternen Utilitatsrichtung nur selten zu selbstän- 
diger künstlerischer Grossartigkeit, und wenn öffentliche Bauten andern 
als Nützlichkeitszweeken dienen sollten, so gingen die Baukünstler 
bei den Architekten Ludwigs XIV. in die Schule. Dagegen 118111111 Zu 
Ende des 17. Jahrhunderts der Privatbau einen erfreulichen und auch 
auf den deutschen Norden einflussreichen Aufschwung, auf welchen 
wir noch zurückkommen werden. 
England blieb dem modernen Style länger als idie übrigen 
Culturliinder ferne. Die englische Gothik hatte nämlich durch gewisse 
praktische Vorzüge, die in deren Horizontalismus, in Holzdecken u. s. w. 
begründet sind, grössere Dehnbarkeit und Anwendbarkeit, mithin 
auch vermehrte Dauer gewonnen, so dass "sie selbst bis auf den 
heutigen Tag in ununterbrochenem Gebrauch blieb. Wenn es daher 
auch nicht an Versuchen fehlte, der Renaissance frühzeitig durch 
Mischung der Elemente Eingang zu verschaffen, so blieben sie doch 
lange vereinzelt, bis es endlich italienisch gebildeten Architekten, 
vorab dem Palladianei" Inigo Jones um 1630 gelang, der neuen 
Weise in ihrer 'l'otalitiit Eingang zu verschaffen. Bezeichnend aber 
ist, dass selbst der hervorragendste Renaissance-Architekt Englands 
Christopher Wren , welcher zu Ende des 17. Jahrhunderts in der 
grossartigen Paulskirche zu London die michelangeleskc Arrehitektur 
in der Themsestadt einbürgerte, zugleich auch den gothischen Aus- 
bau der Westmünsler-Abtei in den beiden Thürmen besorgen konnte. 
Wenden. wir uns endlich mit Uelaergehtlng der minderwichtigen 
und hier fast gänzlich unselbständigen Länder nach Deutschlandfk) 
Dass sich hier der Umschwung und das Preisgeben der eingewohnten 
und nationalen mittelalterlichen Bauweise nicht so rasch wie in dem 
eigentlichen Heimatlande der Gothik, i11 Frankreich, Vüiilüg, 113i 
seinen Grund wohl weniger in der größeren Beweglichkeit de? fraß" 
L 
wke. 
Geschichte 
der 
deutschen 
Renaissance. 
Shltlg. 
1872.
        

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