Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528756
Styl repräsentirende Bonifaziuskirche und die gothische Mariahilf- 
kirche in der Vorstadt Au, von welchen die eine reichen Fresken- 
schmuck, die andere gemalte Fenster erforderte. Während Hess 
hinsichtlich der letzteren nur die Oberleitung übernahm, widmete er 
sich nach Vollendung der Fresken der Allerheiligenkirche fast aus- 
schliessend den Malereien der Bonifaziuskirche, ohne jedoch dort die 
harmonische Einheit jener zu erreichen. Ist nemlich in der Apsis den 
architektonischen Anforderungen durch archaistische Strenge vielleicht 
zu viel Concession eingeräumt, so glaubte er in den Malereien aus 
der Geschichte des Heiligen an den Längswändent) einen allzu 
modernen Weg betreten zu müssen, der in seiner süsslichen Realität 
an sich unangenehm berührend durch den Contrast mit dem Arcl1ais- 
mus der Apsis und im Rahmen der basilikalen Architektur um so 
empfindlicher wird. Leider hat der hier angeschlagene Ton in der 
christlichen Kunst Münchens Wie es scheint längeren Widerhall 
gefunden, während es doch nicht zu bezweifeln ist, dass dieses Kunst- 
gebiet entweder in den kräftigen Bahnen des Cornelius oder im 
strengeren Anschluss an die Präraphaeliten nach der Weise der 
älteren Nazarener sich gesünder entwickelt haben würde, als diess 
aus jener zartfarbigen und weichförmigen Schönheitsmalerei geschehen 
konnte, welche gleichsam durch den Vertreibpinsel hindurch halb- 
verschämt mit der Realität liebäugelt. 
Hatte schon Hess diesen Abweg noch mehr als durch seine 
Bonifaziuslailder mit seinen letzteren Oelgemälderliii) (er starb 1863 
als Direktor der vereinigten Sammlungen) entschieden angebahnt, 
so verfolgte ihn mit zierlicher und mühsamer Gonsequenz J. Schrau- 
dOZPh, geb. 1808 zu Oberlorf im Allgäu. Nachdem er 1825 nach 
München gelangt dtu-ch fast zwanzig Jahre seinem Meister Hess als 
ausführende, Z- Th. auch als erfindende Handwr) zur Seite gestanden, 
war ihm 1844 nach seines Lehrers Ablehnung von König Ludwig 
i") In 12 Blättern gest. v. Barfuss, Walde, Burger, Zimmermann. München 
bei Gypen. 
H) Z. B. Santa Conversazione. (Madonna mit den vier Hauptkirchenlehrern 
und den Patronen der vier von König Ludwig in München erbauten katholischen 
Kirchen) und das (unvollendet gebliebene) h. Abendmal. N. Pinakothek Nr, 61 
und Nr. 32. 
 Fünf von denBonifaziusbildern der Münchener Basilika sind ganz sein Werk.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.