Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528736
der k. Porzellanmanufaktur gehemmt War. Dass seine Erfindens- 
und Schaffenskraft selbst jetzt noch ungeschmälert, zeigt indess 
seine neueste grössere Schöpfung, die Verzierungen der acht Flach- 
kuppeln im Treppenhause des Polytechnikums zu München. 
Kürzer können wir uns mit der religiösen Monumentalmalerei 
der Münchener Schule fassen, Welche in viel engeren und manieristi- 
sehen Geleisen sich bewegend eine ihrem Gründer ähnliche Kraft 
oder einen genialen Neuerer überhaupt kaum aufzuweisen hat, seit 
ihr durch H. Hess die Bahnen gewiesen werden waren. Von Cor- 
nelius empfohlen, war dieser, wie schon erwähnt worden ist, 1827 
nach München berufen worden und hatte zugleich mit der Professur 
an der Akademie den Auftrag erhalten, die neue Allerheiligen-Kirche 
mit Fresken auszustatten. Sie war aus seinerzeit noch zu erörtern- 
deln Anlasse im italienisch-byzantinischen Styl unter besonderer 
Berücksichtigung der Capella Palatina in Palermo und von S. Marco 
in Venedig, natürlich nach letzterer in sehr reducirten Verhältnissen, 
erbaut worden und König wie Architekt wünschten, dass dem ge- 
wählten Baustyle auch in der Malerei Rechnung getragen werde. 
Dazu aber war H. Hess nahezu so geeignet. wie der Franzose Flandrin 
und unter der deutschen Künstlerschaft wohl überhaupt die passendste 
Persönlichkeit. Nicht so fest gebannt an einen ein für allemal fer- 
tigen Styl wie der Altmeister der Nazarener in Rom war der zum 
Nazarenerhaupt in München berufene Künstler biegsam genug, um 
den Anforderungen der Architektur genügen zu können, selbst auf 
die Gefahr hin zuweilen in manieristischen Archaisinus zu verfallen. 
In der That erinnert Manches in Farbe wie Formgebung an die 
musivische Kunst der altchristlichen Bauten Roms wie an die herbe 
giotteske Weise, wenn auch so gemildert, dass die Harmonie des 
Ganzen nicht darunter Schaden leidet. Ebenso wusste der Künstler 
ein Colorit zu entfalten, das dem angestrebten Archaismus ebenso 
entsprach, wie dem Goldgrund und der düsteren Beleuchtung des 
Raumes, warm, satt, tief und harmonisch, eine Färbung, welche mit 
der Farbe des Cornelius in der Ludwigskirche verglichen diesem 
nachtheilig sein musste. In Composition und Zeichnung freilich steht 
der Künstler weit unter jenem, obwohl anerkannt werden muss, 
dass er im lyrischen Gebiete, da wo die sanfteren Töne des Gemüths-
        

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