Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528701
Dr. Crusius gefolgt war in Schloss Rüdigsdorf bei Leipzig die Mythe 
von Amor und Psyche zu malen, ein Feld, das ihm trotz seiner 
herrlichen Kindergestalten nicht entsprechend sein konnte, fand er 
erst sein ganzes Wesen in einigen Märchenillustrationen, die zum 
Theil in schlichtem Holzschnitt erschienen. 
WVer Grinmfs Volksmärchen kennt und damit SchwincPs Bilder- 
bogen-Illustrationen z. B. vom Machandellaaum, vom gestiefelten 
Kater, von der Gerechtigkeit Gottes etc. vergleicht, wird schwer sagen 
können, wer grösser sei, Dichter oder Zeichner. Sie reichen sich die 
Hand. Die naive Schlichtheit der Sehwind'schen Auffassung und Zeich- 
nung, welch letztere vorwiegend auf einem stark prononcirten Contur 
beruht, erscheint gepaart mit so vollendeter Formschönheit, Sicher- 
heit und Lebendigkeit, dass das Auge der Bildung selbst des un- 
scheinbarsten Beiwerkes wie des Ast- und Wurzelwerkes, der Farren, 
Disteln, Pilze u. s. w. mit Lust folgt, indem trotz der idealen Styli- 
sirung jeder Einzelheit ein Natursinn und eine Unmittelbarkeit des 
Studiums lebender wie todter Objekte zu Grunde liegt, welche allen 
Manierismus unmöglich macht. 
Wie es jedoch bei Genelli trotz vorwiegender Anlage für monu- 
mentale Kunst der Fall, so schliesst auch die SchwincPsche Kunst 
zwei Dinge aus: den colossalen, ja sogar lebensgrossen Maassstab 
und Darstellungen weltgeschichtlich epochemachenden Inhalts. Diess 
zeigen namentlich die Fresken in der Kunsthalle zu Carlsruhe wie 
das grosse Wandgemälde im Sitzungssaale der Reichsrathskalnmer 
daselbst, bei welch letzterem der Meister wredlich sich gelangweilt 
zu habene selbst gesteht. Unerfreulich ist dann auch das aus einer 
Concurrenzarbeit für die Trinkhalle zu Baden-Baden hervorgegangene 
grosse Oelbild: wder Vater Rheinaf). Ist die Allegorie überhaupt 
nicht Sache des Meisters, so erscheint der etwas leichte und modern 
gefärbte Witz an den Colossaltiguren etwas schal, ja unerträglich 
durch die Gegensätze, wie denn der Zeuskopf des Rhein mit dessen: 
Geigenspiel schlechterdings nicht zu reimen ist. Dazu kömmt, dass 
Oelmalerei überhaupt so wenig in seinem Vermögen lag, wie in dem 
des Genelli, und selbst noch weniger als der Mehrzahl der Künstler 
der damaligen Münchener Schule. SchwincPs Richtung schien sie 
Sogar gegenständlich auszuschliessen, indem die Oelfilrbe mit ihrer 
L 
Gallerie 
Raczynski,
        

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