Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528682
ganz befriedigen werden, welcher sich die Oelbilder in monumentale 
Fresken übertragen denkt. Genelli selbst wäre indess hiezu nicht 
der Mann gewesen: so gross er dachte und künstlerisch empfand, 
zeigten sich sogleich die Mängel seiner technischen Entwicklung in 
ungenügender Durchbildungy sobald er sich in lebensgrosscn Figuren 
versuchte, wie in dem Gemälde wEngel verkünden dem Abraham die 
Geburt des Isaakk. Durch die Enge seiner Lebensverhältnisse ausser 
Stand, seine WVerke durch Modellstudien zu controliren und mit 
diesen durchzuführen, schuf er lediglich durch seine gewaltige Künstler- 
phantasie, Welche gleichwohlddas unablässige Naturstudium nie ganz 
ersetzen kann. 
Vielfach verwandt mit Genelli, aber statt auf classischcm viel- 
mehr auf romantischem Boden stehend ist Marita v. Schwdizdi"), 
geb. 1804 zu Wien, 1' 1871. Erst nachdem er in Wien die Huma- 
niora erledigt und durch die Schule L. Schnorr's laufend die Ein- 
drücke der eben aufblühenden Wiener Nazarenerschule empfangen 
hatte, nach München gelangt (1827), kann er um so weniger ganz 
zu Cornelius' Schule gerechnet werden, als er mit J. Schnorr, dem 
Bruder seines Lehrers, nach München übergesiedelt war und natür- 
lich schon seiner romantischen Richtung nach von diesem in erster 
Linie beeinflusst wurde. Doch weit entfernt seine Entwicklung über- 
haupt nach einem ausgeprägten Vorbilde zu formiren, schuf er sich, 
wie jeder geniale Meister, seinen eigenen Styl, auf welchen wie auf 
sein Stoffgebiet die dichterischen und musikalischen Grössen und 
z. Th. Freunde in Wien, Lenau, Bauernfeld, Auersperg, Gastelli 
und Grillparzer, wie Beethoven, Schubert und F. Lachner unbedingt 
von grösserem Einfluss waren als seine eigentliche Schule. xAIIl 
allermeisten aber, sagte er selbst, verdanke ich den Minnesingern. 
Die habe ich redlich studirt und durch sie mich in die romantische 
Zeit hineingelebt. Da ist mir so nach und nach der mittelalterliche 
Geist aufgegangen und hat mich angeregt bald wild und schaurig 
wie Sturmessausen im Eichwald und scharf wie Schwerteshieb, bald 
sanft und mild wie minnigliches Flötengetönc.  So leicht wie dem 
Dichter ward nun allerdings dem Künstler der vRitt in's romantische 
1871.  E. Ille (Gedächtniss- 
 C. A. Regnet, Ztschr. f. bild. 
 Biographien von A. W. Müller, Eisenach, 
rede), München 1871.  L. v.Führicl1, Lpz. 1871. 
Kunst 1872. H. Holland, Stuttg. 1873.
        

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