Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528611
akademisch-symmetrische Entsprechung, aber in bewundernswerthem 
mehr proportionalem Gleichgewicht, Welchem höchstens die Abnahme 
eines Randstreifens zur Rechten zu Wünschen wäre, baut sich das 
Ganze auf, in den beiderseits emporschwebenden Kämpfergruppen 
wie in den gegeneinanderstürmenden Führern der Mitte zustrebend, 
in welcher ein schwebender Knäuel geisterhaft leidenschaftlicher Ringer 
den Blick fesselt, während auf der Erde eine Reihe herrlich ideali- 
sirter Akte für das geringere gegenständliche Interesse entschädigt. 
Im Uebrigen ist die entschiedene Charakterdarstellung der Cornelius- 
schen Schule, verbunden mit prägnanter Wiedergabe asiatischer 
Racentypen noch überwiegend über die reine Idealität der Form, 
welcher nur manchmal volle Gelegenheit zur Entfaltung gegeben ist. 
Wo diess jedoch der Fall, wie in der sich vom Boden erhebenden 
Frauengruppe, da entwickelt sich ein Formenreiz, ein Linienfluss und 
eine Geschmeidigkeit der Bewegung, wie sie bei Cornelius wohl nur 
selten begegnen. Freilich darf auch nicht verschwiegen werden, 
dass schon hier dem aufmerksamen Betrachter besonders in der 
Gewandung jene Formen auffallen, Welche später zu fast stereotypem 
Faltenschlag geworden sind, aus einem ungewöhnlichen Gefühl für 
Schönheit und Linienfluss entstanden, aber leider in allzugrosser 
Selbstbefriedigung auch beibehalten. 
Das hochbecleutende Werk wurde von dem llleister1834-1837 
cartonartig in bräunlicher Schattirung in Oelfarbe untermalt und 
blieb so auf ausdrücklichen Wunsch des Bestellers und Besitzers, 
der gleichwohl überdiess die Wiederholung in Farbe verlangte. Zur 
Ausführung dieser kam es jedoch zunächt nicht, wohl wegen des 
Erfolges der Farbenskizze bei der auch Kaulbach wie den Schülern 
des Cornelius überhaupt noch eigenen coloristischen Unsicherheit. 
Da aber der Künstler wahrscheinlich nicht schon damals wie später, 
wo er seine Vorliebe für plastische und farblose Durchbildung mit 
Wort und That erklärte, seines überwiegend formgebenden Talentes 
sich bewusst war, so drängte ihn gerade die misslungene Farben- 
skizze über die Alpen zu gehen, wozu ihn gewiss nicht romantische 
ihm an sich völlig fremde Ideen seiner älteren Kunstgenossen, die 
überdiess damals im Allgemeinen im Versiegen waren , bewogen. 
Einen nur untergeordneten Antheil daran hatte auch der Entwurf 
zu einem zweiten grossen Werke, die Zerstörung Jerusalems, mehr 
vielleicht das hebende Ereigniss seiner Berufung an die Dresdener
        

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