Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528532
architektonischem wie tektonischem Beiwerk und ein förmliches 
Studium von alledem war von der geschichtlichen Darstellung so 
unzertrennlich, dass es nicht betremden kann, wenn nicht selten, und 
besonders von den unter den Einfluss des Dr. F. Fellner (geb. 1800 
Zu Frankfurt a? Mw i" 1859 zu Stuttgart, eines der Münchener 
Corneliusschüler) sich stellenden Künstlern, zu viel Gewicht darauf 
gelegt wurde. Wusste man es auch zu entschuldigen, dass Cor- 
nelius seine Nibelungen gelegentlich mit gothischer Architektur aus- 
stattete oder in der Gewandung, in Waffen und Geräth keineswegs 
ßstrengs zu Werke ging, so wirkte doch der Eifer hinsichtlich 
geschichtlicher Wahrheit auch auf das mehr ideale Gebiet der 
Sage zurück. 
Hatte nun Schnorr schon in den Nibelungen diesem Theil von 
historischer Wahrheit so grosse Aufmerksamkeit gewidmet, dass man 
den Tadel nicht verschweigen darf, es habe sich hier die Romantik 
gleichsam zu früh zur historischen Realität verdichtet, so War er 
um so mehr vorbereitet für die Aufgabe reiner Geschichtsbilder, durch 
welche der Nibelungencyklus wiederholt unterbrochen wurde. Es 
brauchte kein Sprung mehr gemacht zu werden, wie er von dem 
durch Ariost in's Nebelhafte gezogenen Charakter Carl des Grossen, 
seines Neffen, des Markgrafen von der Bretagne, und der flüchtigen 
Angelica, deren märchenhafte Erscheinung der Künstler in Villa 
Massimi so meisterhaft getroffen, nöthig gewesen wäre, indem die 
Nibelungensage bereits zu sehr zur geschichtlichen Darstellung geklärt, 
freilich auch zugleich prosaicirt worden war, um noch einer wesentlich 
anderen Auffassung in den Geschichtsbildern der drei Kaisersäle der 
Residenz Platz machen zu müssen. In diesen Darstellungen aus 
dem Leben Carl des Grossen, Friedrich Barbarossa's und Rudolph's 
von Habsburgt) enthaltenden Werke würde der Meister, nachdem 
der Boden der eigentlichen Romantik einmal verlassen war, vielleicht 
sein Höchstes geleistet haben, wenn nicht die Ungeduld des Königs, 
welcher die umfassende Arbeit rasch vollendet zu sehen wünschte, 
die Entfaltung einer vollen Reife behindert hätte. Eine solche findet 
sich wohl in dem den Tod Barbarossa's (leider nach ungünstigem 
1') Unter anderem die Zerstörung von Mailand und Barbarossals Zusammen- 
kunft mit P. Alexander VI. in Venedig, gest. v. Thäter.
        

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