Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528524
340 
III. 
Buch. 
CRP- 
Die Münchener 
Schule. 
M01 
lmental malerei. 
ebenso mit sich bringt als beim Empfänger voraussetzt, verloren 
ging. In diesem Sinne war der Ariostcyklus der Villa Massimi ent- 
schieden gelungener und eine sinngetreuere Uebertragung im Geiste 
des Dichters, der mit seinen Gestalten nicht selten spielt und sie so 
leicht hin und her bewegt wie Nebelbilder. Liegt nun aber ein 
solches Märenspiel keineswegs auch im Wesen des Nibelungenliedes, 
dessen Gestalten durchweg wuchtiger erscheinen, so ist doch auch 
seine eigenartige Uebernatürlichkeit von Gornelius entschieden original- 
getreuer erfasst worden. Man darf nur parallele Darstellungen von 
beider Hand, wie z. B. die Auffindung der Leiche Siegfrieds durch 
Kriemhild miteinander vergleichen, um sich dessen völlig bewusst 
zu werden, An Composition, Correctheit und Schönheit der Form 
in idealer wie realer Hinsicht und namentlich in der Gewandung 
(lürften zwar Schnorr's Darstellungen den Corneliustschen überlegen 
sein; aber an Gehalt, Bedeutung und dichterischer Wahrheit erreichen 
sie dieselben nicht. Der ohnmächtig zusammenbrechenden Kriem- 
hild des Gorneiiuscyklus gegenübergestellt, erscheint die sich über 
des Gemahls Leiche werfende Heroine Schnorrts in Geberde und 
Ausdruck fast bühnenmässig und mit unzureichender Empfindungs- 
kraft geschaffen. Wo dagegen Charakter und Pathos zurücktritt, 
befindet sich der Letztere im Vortheil, und gerade das, woran sonst 
Künstler scheitern, nemlich das Gebiet festlicher Darstellungen, ent- 
faltete das ausserordentliche Compositionstalent des Meisters zu einer 
selten erreichten Höhe. Diess zeigt neben dem schönen Vorsaal mit 
den allegorischen Darstellungen der Märe und Sage und den Einzel- 
figuren der Träger des Gedichts besonders der erste Saal, von einem 
der Gemälde der vSaal der Hochzeitc genannt, Während der aSaal 
des Verrathesc und der aSaal der Hunenfahrtc in seinen Darstel- 
lungen dem stofflichen Interesse derselben nicht gleichkommtf") 
Schnorr war auch in einen bereits entwickelten Kreis der näheren 
oder entfernteren Jünger des Cornelius eingetreten und blieb nament- 
lich nicht unberührt von der aufblühenden Geschichtsmalerei, welche 
naturgemäss in vielen Stücken von der idealen Kunst des Meisters 
abweichen musste. Die Realität in Porträt, Costüm, Landschaft und 
L 
k) Von den Nachbildungen ist Thätefs Stich des 
filidet. die Leiche ihres Gemahls" (bei Raczynski) wie 
Künlglnnen", gest. v. Fr. Zimmermann, hervorzuheben. 
Gemäldes „Kriernhild. 
die "Begrüssung der
        

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