Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525285
Theil, wo sich dieselbe besonders in Grabmälern bethätigte, an 
welche sich jedoch selten ein hervorragender Künstlernamen knüpft. 
Mit dem Ausbruch des dreissigjährigen Kriegs aber erlosch die bild- 
nerische Thätigkeit Deutschlands in dem Grade, dass selbst über den 
westphälischen Frieden hinaus und bis gegen das Ende des 17. J ahr- 
hunderts kein namhafter deutscher Bildhauer mehr auftauchte. Fürst- 
liches Bedürfniss, damals gering, wurde durch auswärtige Künstler 
befriedigt; übrigens reichte meist oberflächliche Decoration in n1anieri- 
stisch berninischer Weise, wie sie sich vornehmlich in Frankreich 
entwickelt hatte, vollkommen hin. 
Auch in der Architektur erscheint für diese Periode, wie 
für die gesammte Renaissance Italien als Vorbild und tonangebend. 
Hier wie in der Plastik waren Michelangelds Werke die Ausgangs- 
punkte für ein Jahrhundert und für jenen Styl, den wir als den_ 
Barockstyl bezeichnen. Malerischer Effekt war mehr und mehr die 
Losung geworden, constructive Gliederung trat in den Hintergrund. 
Säulen, Halbsäulen und Pilaster wurden sammt ihren Gebälken weit 
über das durch die Anlage Gebotene, und zumeist nur decorativ, 
gehäuft und verkröpft; in den oberen Parthien traten nicht blos 
Curven, sondern abenteuerliche Volutenbildungen und Schweifungen 
an die Stelle der naturgemässen Dachungslinien. Trotzdem war die 
Anregung des gewaltigen Florentiners so grossartig, dass in seinen 
Bahnen noch ein halbes Jahrhundert lang Bedeutendes geleistet wurde. 
Doch wie in der Plastik, so tritt auch in der Architektur der michel- 
angeleske Manierismus die Spur des Protagonisten endlich breit und 
verfällt einer ermüdenden Monotonie. Selbst nach langem Verweilen 
in der ewigen Stadt wird es dem Gedächtnisse schwer die Erinne- 
rung an die zahlreichen Kirchenfacaden und Kuppeln von der ersten 
Hälfte des 17. Jahrhunderts auseinander zu halten, so gleichartig 
sind im Grunde alle Variationen jenes Typus- 
Die Häufung von architektonischem Detail noch zu vermehren, 
die Derbheit und Kraft _der Profilirungen und plastischen Zierden 
noch zu erhöhen, mochte endlich kaum mehr möglich erscheinen 
und man bedurfte daher endlich für den abgestumpften Geschmack 
anderer Reizmittel, welche ebenso wie in der Plastik, so auch in der 
Architektur Bernini ausbildete. Mit dem berüchtigten Altartaber- 
nakel in S. Peter zu Rom waren die schiefwinkligen und geschwun- 
genen Grundpläne, die gewundenen Säulen, verbindungslosen Gebälke,
        

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