Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528481
Mageres, gesteigert durch das Knappe aller Gewandung, was dem 
strengen Sinne des Meisters eignet und z. Th. noch aus seiner 
romantischen Periode mit ihren flandrischen und präralahaelitischen 
Reminiscenzen stammt. Man bringt jedoch nicht in Anschlag, wie 
die momentane Bewegtheit der beiden nothwendig zum Vergleich 
sich aufdrängenden Meisterwerke des Michel-Angelo und des Rubens, 
dazu die gedrungen muskulöse Weise des erstem oder die üppig 
fleischige des letztern das Urtheil des Kenners hierin nicht so unbe- 
fangen sein lässt, als es die Selbständigkeit unseres Meisters verlangt. 
Wie in Ansehung des Colorits das vielleicht einseitige Wollen des 
Künstlers, so sollte billig auch hierin dessen eigenartiger Styl ebenso 
in Rücksicht gezogen werden, Wie es bei Beurtheilung des sixtinischen 
oder Rubensischen Weltgerichts von jedem Kunstfreunde geschieht. 
Einem einzelnen Werke eines grossen Meisters gegenüber ist nur ein 
relatives Urtheil gerecht. 
Mehr Grund zu Aussetzungen ist durch die beiden andern, 
übrigens ganz von Gehilfenhand ausgeführten grössern Wandgemälde, 
Geburt und Kreuzigimg Christi  gegeben. In beiden befand sich 
nemlich der Künstler Weit Weniger auf dem ihm gemässen Boden, 
welcher dem der Nazarener entgegengesetzt nicht in dem Empfin- 
dungs- und Gemüthvollen, Wonnigen oder Leidenden, sondern in 
charaktervoll kräftigem Denken, Sein, Wollen und Handeln besteht. 
Die Darstellung von zartem Empfinden erscheint daher leicht leer 
und starr, die von Leiden bis zur Verrenktheit übertrieben. Von 
ganz besonderem Nachtheile für die Gemälde aber ist der Umstand, 
dass sie statt sich cyklisch aneinander zu schliessen nicht bloss von 
starken intensiv farbigen Ornamentstreifen romanischen Styls um- 
geben sind, sondern an unvortheilhaft gefärbte und todt gemusterte 
Wände stossen. 
Die Riesenarbeit (das Chorgeniälde allein misst 2400 13') hatte 
wieder ein Jahrzehent erfordert, in welchem der Künstler, wenn man 
von den Skizzen für die Loggien der Pinakothek, denen er nur seine 
Abendstunden und gleichsam die Erholungszeit schenkte, absieht, der- 
selben ausschliessend oblag: Es Waren sonach zwei Decennien iin 
Dienst des Königs vergangen, ohne dass in dieser Zeit dessen Gunst 
sich gesteigert hätte. Im Gegentlieil, je mehr die Anerkennung im 
Gestoche. 
VOI] 
Merz.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.