Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528453
hinsichtlich der Dauer Gränzen setzen zu können, die auszumalenden 
Räumlichkeiten auf ein Dritttheil der Kirche beschränkte. Nur die 
Chorwand und die zwei Schlusswande des Querschitfes sammt den 
entsprechenden Gewölbedecken sollten den Malereien gewidmet wer- 
den, so dass von dem xehristlichen EpOSc keine Rede mehr sein 
konnte; xMlt schwerem Kummer habe ich den Gedanken daran 
aufgegeben, dem Schmerz der verlorenen ersten Liebe nicht unähn- 
ljchc, schrieb er auf diese Nachricht an den König, und suchte nun 
durch seine Disposition den Verlust zu verringern. Da von einer 
Folge von biblischen Bildern abzusehen war, musste eine mehr 
symbolische Concentration an deren Stelle treten. Hiefür schienen 
besonders die Gewölbe sich zu eignen, in welchen denn auch (im 
Chor) Gott Vater als Schöpfer mit den Engelschören und (in der 
Gewölbdecke des Querschiffes) die vom h. Geiste inspirirte Kirche in 
ihren Repräsentanten zur Darstellung kam. Die drei grossen Wand- 
felder aber waren für die dreifache Erscheinung Christi bestimmt, 
in der Geburt und Kreuzigung an den Schlusswänden des Quer- 
schiffes, und im jüngsten Gericht an der Wand des Ghorabschlusses. 
Es erscheint dabei fast wie selbstverständlich, dass er nicht 
ohne Studien in Rom zu dem Werke schreiten konnte, das er so 
zu sagen unter den Augen Raphaels und Michel-Angelds schaffen 
wollte. Sobald er daher den letzten Pinselstrich in der Glyptothek 
gemalt, so eilte er dahin und erreichte am 20. Aug. 1830 die ewige 
Stadt. Ein Jahr verging dort wie einst in angestrengter Arbeit, im 
trauten Verkehr mit den alten und jungen Freunden, im Wieder- 
genusse der Herrlichkeit Roms mit allen daran sich knüpfenden 
persönlichen Erinnerungen. Seine Briefe athmen Selbstvertrauen, 
Glück und Freundesheiterkeit. Die Kreuzigung, mit Welcher der 
Künstler begann, wie die Geburt Christi und ein Theil der Decke 
waren auch schon Anfangs 1833 vollendet. Ein zweiter, zweijährigei" 
Aufenthalt in Rom bis 1835 brachte das Hauptbild, das jüngste 
Gericht, im Carton zur Vollendung; ein folgendes Jahr in München 
den grössten Theil der noch übrigen Figuren der Gewölbe. Er hatte 
zwar versucht auch für die Composition andere Kräfte für sich ein- 
treten zulassen und namentlich auf Overbeclüs Empfehlung (lessen 
talentvollen Schüler Ed. Steinle mit dem Entwurf für das Chor- 
gewölbe, den Schöpfer im Chor der Engel darstellend, betraut, 
Allein die Overbeck'sche Richtung mit ihrer stillen, lieblichen An-
        

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