Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528431
den Genius Bekundende, und dieser muss auch an Cornelius vor 
Allem hervorgehoben und beachtet werden, wenn man ihn verstehen 
will, Im Zusammenhalt damit treten die Gebrechen, die dem vor- 
urtheilsfreien Betrachter nicht entgehen können, gelegentliche Form- 
unrichtigkeiten, Mangel an Sicherheit in der Wiedergabe des rein 
Schönen, eine gewisse Ungeschmeidigkeit und Knappheit der Form- 
gebung und Linienführung, die Pointirung des Charakteristischen 
bis an die äusserste Gränze, selbst bis zur Herhigkeit und Härte, ja 
zuweilen nahe an Garikatur, und die Mangelhaftigkeit oder vielmehr 
Eigenthümlichkeit seiner Maltechnik, so in den Hintergrund, dass sie 
den Genuss der Betrachtung wie die Bewunderung nicht schmälern 
können. Es klingt uns an wie das homerische Gedicht verdeutscht in 
der gewichtigeren Nibelungenstrophe, freilich von einer so berufenen 
Kraft übertragen, wie sie z. B. Goethe in seiner Iphigenia in moder- 
ner Sprache darstellte. Und so wenig sich auch die beiden Meister, 
der Dichter und der Maler, über des letzteren Wollen ganz ver- 
ständigen konnten t), so erfüllte sich doch das prophetische Wort, 
das Niebuhr schon im Juli 1818 an Reinier schrieb: wCornelius ist 
in seiner Kunst ein Goethes Wie dieser es verstand, die Antike 
deutsch, zeitgemäss und ohne Abbruch seiner Originalität nachzu- 
fühlen und frei wiederzugeben, so auch Cornelius. 
Die zunehmend ungnädige Behandlung von Seite des Königs, 
welche der Künstler während der letzten Jahre erfahren, wie die 
Vereitelung seines Lieblingswunsches, seine Schule unter eigener 
Leitung zu monumentalen Arbeiten heranziehen und an dieser vollends 
heranbilden zu können, hatten ihn veranlasst, seine Blicke wieder 
nach dem Norden zu richten, und er trug sich so ernstlich mit dem 
Gedanken, den sich gegen ihn entspinnenden Missverhältnissen den 
Rücken zu kehren, dass er sich schon an Niebuhr mit der Bitte 
gewandt, zu seiner Rückberuiung nach Preussen gelegentlich Schritte 
zu thun"). Der König hatte jedoch dem Meister die frühere ausser- 
 
4') Diess war freilich lediglich des Dichters Schuld. Bezeichnend hiefür 
äusserte sich einmal Cornelius: "Es geht Goethen mit uns, wie der Henne, welche 
Enten ausgebrütet. Nun, wenn wir ihm auch auf dem ihm fremden Element 
davonschwjmmen, so werden wir doch nicht vergessen, dass er uns in's Leben 
gerufen." Förster. Cornelius. I. 413. 
 Dass dieses schon in der ersten Hälfte des Jahres 1829 geschehen, beweist 
ein Brief an Niebuhr vom 28. Aug. 1829. Förster, Cornelius II. S. 4,
        

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