Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525275
nahmsweise gelang es auch einem Giesser, dem Nürnberger G. La- 
benwolf Arbeit für das Ausland zu erhalten, vielleicht lediglich darum, 
weil seine persönliche Tüchtigkeit von traditioneller Berühmtheit (er 
war der Sohn Pancraz Labenwolfs und somit in ununterbrochenem 
Zusammenhang mit der Vischefschen Giesshütte) unterstützt wurde. 
Nur in der Kleinkunst und im Kunstgewerbe, worin sich die oft zu 
bescheidenen deutschen Talente mit Vorliebe ergingen, schwang; sich 
namentlich Süddeutschland zu unerreichter Höhe: Waffen, Prunk- 
gefäisse und anderes Geriith, Geschmeide und besonders Medaillen 
entstanden damals wohl nirgends prachtvoller als zu Nürnberg, 
Augsburg und München. 
Diese Verhältnisse blieben auch zu Anfang des 17. Jahrhunderts 
dieselben. Damals nahmen Augsburg und München einen frischen 
monumentalen Aufschwung, wobei auch namhafte Profanwerke zur 
Ausführung kamen. Vorab die drei Hauptbrunnenwerke Augsburgs 
von den Niederländern Gerhard und A. de Vries, welche noch in 
die letzten Jahre des 16. Jahrhunderts fallen, dann seit dem Anfang 
des folgenden die schönen Broncearbeiten an der Residenz zu Mün- 
chen, wo ein Niederländer, Peter de Witte, die gesammte Kunst- 
intendanz an sich gerissen und zahlreiche Werke an und in der 
Residenz, den St. Michael an der Michaelskirche, das Grabmal des 
Kaisers Ludwig des Bayers in der Frauenkirche und die Mariensaule 
am Marienplatz erst durch seinen Landsmann Gerhard, dann durch 
den Wleilheimei" Hans KI'Lll11])GI' nach seinen gediegenen Entwürfen 
herstellen liess. Dass bei solcher "Thätigkeit im Grossen die Klein- 
künste auch zu Anfang des 17. Jahrhunderts nicht zurückblieben, 
versteht sich von selbst. Doch verlieren die Medaillen in dem Maasse 
an Schönheit, in welchem sie an technischer Vollendung gewinnen, 
die Prunkgeschirre werden überladen und die decorative Kunst in 
Holzschnitzereien und Elfenbeinarbeiten erstickt oft an Reichthum 
und kunsthandwerklicher Tüchtigkeit das eigentlich künstlerische. Bei 
grösseren Werken der Art ist übrigens der Einfluss der Monumental- 
werke handgreiflich, wie an dem herrlichen Elfenbeinkastchen des 
Weilheimers Chr. Angermair im k. Münzkabinet zu München, welches 
als ein Abklatsch des de Witteschen Ktinstcharakters (Grottenhof 
Zu München) erscheint. 
In etwas geringeren] Maasse nehmen an der plastischen Be- 
Wegung dieser Periode auch Mainz, Würzburg, Stuttgart und Tübingen
        

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