Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528414
den Hektor zu Fall gebracht; Nestor und Agamemnon wecken den 
Diomedes; Hektors Abschied von Andromache; Achill gewährt dem 
Priamos Hektor's Leiche, beide zu den vorzüglichsten Darstellungen 
des ganzen Gyklus gehörend. Die reizenden meist von E. Neureuther 
ausgeführten Arabeskenstreifen unterhalb, entwickeln einige andere in 
entfernterem Bezuge stehende Mythen. Die drei grossen Lülletten 
aber enthalten Wieder drei grosse halbkreisförmige Compositionen, 
von welchen die erste vder Zorn des Achill wegen der Briseisa unter- 
geordnet, die zweite wder Kampf um den Leichnam des PHiPOKlLISK, 
die in der Ausführung gelungenste; die dritte, den sUntergang 
Trojase darstellend, die genialste, gewaltigste und ergreifendste von 
allen genannt werden muss. 
Welch gewaltige Kraft tritt uns in den beiden um den Besitz 
des Gefallenen kämpfenden Helden entgegen! Gleichsam wurzelnd 
in der Erde und doch der momentansten Bewegung tlthig sind sie 
die prächtigsten Typen griechischen Heroenthums. Das Reckenhafte 
der Nibelungen ist abgestreift, das rechte Maass gehalten, die herr- 
lichen Körper zeigen nirgends Ueberfülle, aber entfalten auch alle 
Kraft ohne ersichtliche Ueberanstrengung. Und zwischen beiden im 
Hintergrunde erhebt sich  eine wahrhaft göttliche Erscheinung  
der drauende Achill neben Athene über dem Schiffslager. Beide Theile 
sprudeln von heroischer Lebendigkeit und packender Gewalt. Aber 
auch keines von allen Glyptothekfresken ist so vollendet gemalt, weil 
es die dem etwas harten Pinsel des Meisters unzugänglicheren weib- 
lichen Reize, wie die nicht selten unharmonische Buntheit der 
Gewänder u.  w. ausschliesst. Der im Vordergrunde vorherrschende 
satte Farbenton mit den kräftigen Schatten der Modellirung des 
Nackten ist von vollendet einheitlicher Wirkung und hebt in seiner 
Geschlossenheit die duftigen Töne der Mittelgrundgruppe in hin- 
reissender Weise. Es ist ein Meisterstück von Zeichnung, Modelli- 
rung und technischer Durchführung. 
Unvergesslich aber für jeden, welcher das Glück gehabt es zu 
schauen, ist das Schlussbild in der dritten Lünette, M18? Fall Trojzüse. 
Schon der in wenigen Zügen charakterisirte Schauplatz der brennen- 
den Stadt ist imposant, mächtigergreifend die Mittelgruppe, in der 
sich aus dem Kreise der Töchter, welche die in stumpfen Wahnsinn 
versunkene Hgkuba umdrängen, Kassandra erhebt. Wieder muss 
an Polygnotäs Vorgang erinnert werden: glaubte man in den Augen
        

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