Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528396
Zu ähnlichen Ausstellungen gibt auch das Olymposbild Veran- 
lassung. Bei Wahrhaft grossartiger Mitte, in Welcher vor dem 
Doppelthron des Zeus "und der schmollenden Juno der Sohn der 
Alkmene durch Hebe den Nektar empfängt, Während de? Schöne 
aber von Thorwaldsen entlehnte Ganymedes dem Adler die Schale 
reicht, kann die Mehrzahl der weiblichen Olymposbewohner wohl 
Niemand befriedigen. Erscheint auch in Venus mit Mars im Ge- 
spräche eine Fülle von Schönheit und Liebreiz, so ist diess beinahe 
Ausnahme, namentlich den Musen gegenüber, welche bekanntlich 
im Einzelnen zu charakterisiren selbst über griechische Kräfte geht, 
und die desshalb auf mehr allgemeine Schönheit und ihre Attribute 
angewiesen erscheinen. Vielleicht war auch das Gefühl von diesem 
Mangel an Schönheit der aHimmlischena der Grund, dass der Meister 
die Gelegenheit, WO er auf die Reize der Schönheit verzichten durfte, 
wie in der Darstellung des Hephästos und namentlich des fetten 
Silen im Vordergrunde, excessiv ergriffen hat, um durch den Gegen- 
satz und das Verhältniss die Göttinnen zu heben. 
Dagegen wird die Unterweltt) ein Gegenstand der ungeschmä- 
lerten Bewunderung bleiben. Schon der Gesammteindruck der 
unvergleichlichen Gomposition ist fesselnd und ergreifend, ja selbst, 
was sonst den Gartons gegenüber nicht immer der Fall ist, durch 
das hier treifliche Colorit noch gesteigert. Was mit dem lichten 
Aether des Olympos wie mit der duftigen Wasserwelt nicht wohl 
vereinbar, nemlich die kraftvolle Charakteristik des Gesammttons 
wie der Lokalfarben, das fand hier Gelegenheit sich zu mächtiger 
Wirkung zu entfalten. Dämonisch treten die Gestalten aus dem 
unheimlich fahlen Halbdunkel hervor, selbst wieder einfach abgetönt 
je nach Alter, Geschlecht, Leiden und Widerstandskraft. Auf dem 
Throne lauscht mit noch trotziger Miene Pluto, neben ihm längst 
erweicht die holde Proserpina, dem Gesang des Orpheus. Voll 
schmerzlicher Sehnsucht schmiegt sich Eurydice an die Göttin, deren 
Schutz und Fürwort sie vertraut. Die Eumeniden, gewaltige Grei- 
sinnen, liegen jetzt machtlos zusammengekauert im Vordergrunde, 
ebenso der Höllenhund, zwei seiner Köpfe mürrisch zur Erde beugend. 
Zur Linken neben den Göttern thronen die drei Unterweltsrichter, 
Minos, Aäkos und Rhadamanthys, eine Gruppe, welche nicht bloss 
Gest. 
Schäffer.
        

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