Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528386
reichs, wobei das Uneinfügbare im Flachrelief der drei Umrahmungen 
wie in den Gruppen der zwei Thürgiebel (nach Cornelius' Zeichnung) 
plastisch ergänzt wird. Was nun einem Dante wie Hilton begegnet 
ist, das finden wir auch bei unserem Meister: das Gemälde der 
Unterwelt, das Reich des Hades übertrifft, obwohl zuerst ausgeführt, 
die Darstellung des Poseidonreiches wie des Olympos selbst, und 
zwar nicht bloss des im Gegenstände liegenden höheren epischen 
und dramatischen Interesses, wie der grössem und charakteristisch 
ausgeprägten Mannigfaltigkeit des Stoffes wegen, sondern auch in 
Ansehung der Composition. Alle drei Gemälde stellen aber nicht den 
bleibenden Zustand, nicht eine müssige Götterversammlung in passiver 
Ruhe, sondern eine bestimmte Handlung dar, wodurch die Compo- 
sitionen an künstlerischem Werthe wesentlich gewinnen, so die Los- 
bittung Eurydice's durch Orpheus in der Unterwelt, den Gesang 
Arions vor den Meerbeherrschern und die Aufnahme des Heracles 
in den Olymp. 
Das Poseidonbild ist das schwächste zu nennen; trotz unleug- 
barer Schönheiten in der Gomposition wie im Einzelnen erscheint 
dem Beschauer der Raum des Ganzen wie das Maass der Figuren 
für den Gegenstand zu gross, der Vorgang wie die Bedeutung der 
Mehrzahl der Figuren zu leicht und nichtig für die Energie des 
Meisters, die hier überflüssig, ja störend erscheint. Unwillkürlich, 
aber mit Recht, sucht man hier in erster Linie nach Formschönheit. 
Der vorwiegend sinnliche Charakter der Meeresgottheiten, das Schwär- 
merische, Träumende, Melancholische, Passive, welches denselben 
von den griechischen Dichtern wie bildenden Künstlern beigelegt 
worden ist und seinen Grund im Elemente selbst findet, was auch 
das ganze Gebiet besonders dem skopas'schen Kreise so zugänglich 
gemacht und zur reinen Ausbildung der schönen und bis zu Senti- 
mentalität und Schwäche weichen Form gedrängt hat, ist dem 
energischen Charakter der Kunst des Cornelius zu diametral ent- 
gegen, als dass er hier glücklich hätte sein können. Darf man auch 
Angesichts des Daphnebildes oder der Auroren nicht im Allgemeinen 
sagen, dass die Chariten bei der Künstlerweihe des Gornelius nicht 
zugegen waren, so ist doch hier der Mangel an Grazie empfindlich, weil 
sie nirgend unentbehrlicher sein könnte. Dazu kömmt das nirgend so 
harte kalte Golorit, freilich vom Künstler beabsichtigt, da er im Fleische- 
der Meeresbewohner das Frische des Elementes wiedergeben wollte,
        

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