Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528368
letztere, an sich unansehnlich und verkümmert, ward dagegen durch 
zwei grössere Seitenräume ausgezeichnet, die als Versammlungs- und 
Empfangssäle besonders für die damals mit grosser Vorliebe gepfle- 
genen Antikenbesuche bei künstlicher Beleuchtung gedacht und zur 
Ausschmückung durch Gemälde bestimmt waren. Der Eingangsraiuti 
zwischen denselben bot hiezu wenig Gelegenheit und gab dem Künstler 
nur zur Aufnahme von drei Bildern aus der Prometheus- und Exime- 
theussage Anlass. Der Saal zur Rechten dagegen sollte der griechischen 
Götterwelt, der zur Linken der Heroensage gewidmet werden. Das 
Programm des Letztern  ursprünglich sollten die drei grossen 
Heldensagen der Argonauten, die lthebaische und die troianisehe 
Sage ebenso in dem Saale verbunden werden, wie die Gemälde des 
Göttersaales sich in das Reich des Pluto, des Poseidon und des 
Zeus gliederten  wurde nachträglich und zwar nicht ohne Wider- 
streben des Königs auf die alleinige Darstellung der Trojasage con- 
centrirt. Als Raum hiezu standen dem Künstler die Kreuzgewölbe 
sammt den halbkreisförmigen Gewölbespiegeln (Lünetten) zu Gebote, 
von den letzteren in jedem Saale drei, da der vierte als Fenster 
durchbrochen ist. Der Viertheilung des Kreuzgewölbes entsprach die 
Gliederung der Götterwelt nach den vier Elementen, Erde, Wasser, 
Feuer und Luft, von welchen allerdings das letztere, sinnig auf die 
Fensterseite gelegt, um ein Hauptgemälde in der Lünette verkürzt 
werden musste, wofür das Reich des Feuers und der Luft in der 
Darstellung des Olymps in der dritten Lünette verbunden ward. 
Die Entwürfe zu diesem Saale waren von dem Künstler grössten- 
theils schon 1818 und 1819 in R0n1 hergestellt, aber bei der Aus- 
führung im Garton wesentlich geändert werdend"). Der hesiodisch- 
kosmische Grundgedanke ist bei der ganzen Anlage unverkennbar; 
aber mit dem Verständniss eines gründlichen Archäologen paarte 
der Erfinder eine Poesie in der Auswahl und künstlerischen Ver- 
knüpfung, Beziehung und Entsprechung, wie sie kaum den grossen 
Cinquecentisten gelungen sein dürfte. Als ächter Künstler Wusste 
er namentlich der Klippe der abstracten Ideenmalerei zu entgehen, 
überall ist Concretes, das allein Bildbare und im Bilde allgemein 
Verständliche an die Stelle des rein Begrifflichen gesetzt, der fassbare 
 
 k) S0 namentlich die Lünettenlwildrr, welche ursprünglich nicht als einheit- 
hche Gemälde gedacht waren, nach den älteren Entwürfen gest. von H. Walde.
        

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