Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528345
eine Weitere gleichzeitig gestellte und im Spätherbst 1827 vollendete 
Aufgabe erscheinen, nemlich die Fresco-Ausmalung der Decke des 
Odeonsaales, mit welcher Kaulbach, Eberle und Anschütz betraut 
wurden. Wenn des ersteren vApollo unter den Musem Eberle's 
schönem xApOll unter den Hirtenc nachzusetzen ist, so dürfte diess 
wohl zum grossen Theile auf Rechnung des Gegenstandes zu setzen 
sein, welcher Eberle in malerisch-dankbarerer Weise entgegenkam, 
als der Kaulbach und Anschütz (Urtheil des Midas) zugefallene. 
Die Bestellung des Herzogs Max, welcher nach Vollendung der Odeon- 
und Arkadenmalereien 16 Bilder aus der Eros und Psychesage für 
den Tanzsaal seines eben vollendeten Palais bei Kaulbach verlangte 
und erhielt, scheint nicht durch Gornelius vermittelt worden zu sein, 
wie sich denn frühzeitig zwischen beiden Künstlern, deren Anlage 
und Anschauung nicht ganz homogen war, die später so lueträcht- 
liche Kluft zu bilden begann.  
War jedoch diese für die Stellung des Meisters, welcher an dem 
entschiedenen Schönheitssinn des Schülers noch immer seine herz- 
lichste Freude hatte, vorläufig noch wenig fühlbar, so trübte sich 
das allgemeine Kunstverhältniss Münchens in anderer Weise bedenk- 
licher. Der Hofbauintendant, Architekt L. v. Klenze, der schon 
seit 1814 in bayerischen Diensten stehend vor Cornelius' Ankunft die 
unbedingteste Gunst seines Fürsten genossen hatte, fühlte sich längst 
unbehaglich bei der Verehrung, die der König gegen den Maler an 
den Tag legte. Dass Cornelius seiner ganzen Anschauung nach 
seine Kunst auch nicht den Intentionen unterordnen konnte, wie sie 
der Architekt der Malerei gegenüber hegte, welche er als decorative 
Dienerin und als von sich abhängig zu betrachten pflegt und in den 
meisten Fällen darf, ist auch, obwohl wenige Künstler aller Zeiten 
das Componiren in dem gegebenen architektonischen Raum gründ- 
licher verstanden, nicht zu leugnen. Jedenfalls ist Cornelius" Auf- 
treten nicht aus persönlichen Motiven, sondern seiner Kunstan- 
schauung wie seiner Ueberzetigung entsprungen, dass nur durch 
ein gewissermassen diktatorisches Zusammenhalten und Leiten der 
einzelnen Kräfte seine idealen Ziele erreicht werden könnten. 
Der König hatte die Loggien der Pinakothek für einen grossen 
Gemäldecyklus nach Art ihres vaticanischen Vorbildes bestimmt und 
Cornelius mit den Entwürfen beauftragt, verlangte aber gelegentlich 
von dem Maler auch ein Gutachten über die Klenzdschen Vorschläge
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.