Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528272
als vollen Ersatz betrachten konnte, nach der Ablehnung seiner 
früheren Anerbietung nicht hoffen durfte, so empfahl er J. Schnorr- 
als Amtsnachfolger. Es ist keine Frage, dass er damit, die geeignetste 
Kraft genannt, um die Schule in seinem Sinne fortzuführen. Allein 
die Anschauung der Regierung und wie es scheint des Königs selbst 
war eine andere. Ich kann mich nun nicht jenen anschliessen, 
welche glauben, man habe in einiger Verstimmung über die Kündung 
des Meisters (welche übrigens immerhin vorhanden gewesen sein 
mag) den Rath desselben abgelehnt. Noch weniger kann ich die 
Anschauung der Regierung als eine durchaus verfehlte und als ver- 
derblich für die künftige Kunstentwicklung bezeichnen. Wenn nemlich 
der Minister Frhr. v. Altenstein im Entlassungsschreiben an Cornelius 
berichtete: sSeine Majestät habe sich nicht dafür erklären wollen, 
dass nach des Meisters Abgang die Malerei al fresco als Hauptstudium 
betrieben werde, wesshalb von J. Schnorr abzusehen und bei der 
Wahl eines neuen Direktors nur die allgemeineTüchtigkeit so in 
Betracht zu ziehen sei, dass die al Fresco-Malerei als untergeordnet 
berücksichtigt werdee , so scheint mir, dass diese Erklärung von 
richtiger Würdigung der Kunstverhältnisse im Allgemeinen wie von 
tiefer Einsicht in die örtlichen und anderen Verhältnisse der rheini- 
schen Kunststadt Zeugniss gebe. Denn unsere Bewunderung für den 
grossen Meister soll uns nicht dahin führen, die Einseitigkeit, die 
in dem ausschliessenden Betrieb der montimentalen Kunst lag und 
den Nachtheil, der daraus für die von Gornelitis entschieden unter- 
schätzten und vernachlässigten anderen Kunstzweige erwuchs, zu 
übersehen, und zu ignoriren, wie unpassend der Boden für die grosse 
historische Malerei in einer Provinzialstadt wie Düsseldorf sein musste. 
Es hiess eine mächtige Eiche in einen Garten verpflanzen, der wohl 
für mannigfache andere Gaben der Natur, aber nicht für weittragende 
Wurzeln und überschattende Zweige geschaffen war. Die Regierung 
hatte nichts gegen die Richtung an sich, und war nur gegen deren 
Ausschliesslichläeit: ward der riesige Baum so an die Ecke gestellt, dass 
er die übrige Fruchtbarkeit des engen Raumes nicht verkümmerte, 
so freute sie sich auch dessen imposanter Gestalt; dass sie sich aber 
der (ibrigen Erzeugnisse ihres Bodens annahm, war nicht unweise 
und nicht ohne Segen, wie eine spätere Betrachtung zeigen SQIL An 
einer anderen Stelle, in München oder in Berlin lagen die Dinge 
anders, hier Wal- Raum für die grosse Richtung und keine Gefahr,
        

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