Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528262
seiner Stelle dadurch unaufschiebbar wurde, drang der Prinz ernst- 
lich auf einen Entschluss des Künstlers. Die Wahl konnte nicht 
schwer sein. Einerseits stand noch für lange Jahre die für die 
damalige Zeit beschwerliche Verlegung des Aufenthalts von Düggel- 
dorf nach München Während der Sommermonate in Aussicht verbunden 
mit der Schwierigkeit von Jahr zu Jahr hiezu Urlaub von der 
preusSiSChEH Regierung zu erbitten. Ferner erschwerte fühlbarer 
Mangel an Kllnstmitteln Seit der Ueberführung der Düsseldorfer 
Gallerie in die bayerische Hauptstadt den [interricht im Malen; 
endlich war die Gelegenheit zu monumentaler 'l'hätigkeit für die 
Schule in der rheinischen Provinzialstadt jedenfalls verhältnissmässig 
geringer und das Interesse der Regierung daran augenscheinlich nur 
ein untergeordnetes. Anderseits lockte München den Künstler durch 
die erwünschte einheitliche Thätigkeit als schaffender Künstler und 
als Lehrer; die aufblühende Residenz bot schon damals einen Reich- 
thum an Kunstsammlungen, wie keine andere Stadt Deutschlands, 
und der Kronprinz hatte schon wiederholt angedeutet, dass die 
Glyptothek nur der Anfang einer Reihe von Kunstschöpfungen in der 
süddeutschen Hauptstadt sein sollte. Ueberdiess stellte sich der 
Prinz der Kunst mit einer Wärme gegenüber, welche in den Briefen 
an Cornelius wie Leidenschaft herausloderte, und anstatt der bureati- 
kratischen Zurückhaltung der preussischen Regierungsorgane so 
lebhaftes Interesse für deren Entwicklung bekundete, wie es den 
Meister selbst beseelte. Dennoch entschloss sich Cornelius schwer; 
sein edles Gemüth liess ihn die Aufkündting in Berlin wie einen 
Akt der Unredlichkeit erscheinen, zumal er sich als preussischer 
Unterthan doch seiner Regierung näher verpflichtet fühlte. Er hätte 
daher vielleicht auf die ungleich grösseren Vortheile seiner Münchener 
Stellung verzichtet, wenn nicht die schwere Krankheit seiner Gemahlin, 
einer Römerin, die sich wenigstens näher nach dem Süden sehnte, 
und ))V01'1 einem entschiedenen Widerwillen gegen Düsseldorf verzehrt 
warda, den Ausschlag gegeben hätte. Er erbat und erlangte daher 
huldvolle Entlassung und traf im Sommer 1825 mit seinem gesammten 
Hausstande in München ein. 
Ehe er jedoch  schweren Herzens  seine junge Schöpfung 
in Düsseldorf verliess, gab er sich alle Mühe, ihren Bestand in der 
von ihm begründeten Richtung zu sichern. Da er auf ein Eintreten 
Overbeck's, welches er übrigens nach seinen Grundsätzen auch nicht
        

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