Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528227
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HI. Buch. I. Cap. Corneliusf Di 
isseldorfer Direktorat und Kronprinz Ludwig. 
für überflüssigt"). Die Gattungsmalerei sei seine Art von Moos oder 
F lechtengeivächs am grossen Stamme der Ktmstx Kein Fachwerk! 
rief er dann aus, die Kunst duldet keine Trennung, sie ist ein Ganzes. 
und kann nicht stückweise erfasst werden. Die Genremaler und 
andere nannte er die Fächler, denen die Kunst nicht in ihrer Allheit 
und Einheit erscheint, sondern die sich ein Fach auslesen und dafür 
allein arbeiten; sie seien immer ein Zeichen des Verfalls der Kunst, 
Der Künstler solle zwar seine Freude an dem ihn umgebenden Leben 
haben, er solle daran lernen und studiren, aber es dann in Fleisch 
und Blut. verwandeln und zu brauchen Wissen; nicht Knecht, son- 
dern Herr und Besitzer des Zufalls sein. Das Leben habe nicht 
nur materielle Wahrheit, es habe auch Poesie. Die Poesie des 
Lebens müsse ergriffen werden. Was dann die künstlerische Aus- 
drucksweise betrifft, so lehrte er eine charakteristische, energische 
und selbst bis zur Härte kräftige Sprache, wobei er Gelegenheit 
hatte an den Glyptothekcartons zu zeigen, wie er selbst das Hünen- 
und Reckenhafte seines Faust- und Nibelungencyclus zum Heroischen 
zu verklären vermochte. Es war freilich kein Heroenthum im Sinne 
der spätgriechischen und römischen Kunst, wie es aus der durch 
tmsere Museen vermittelten plastischen Anschauung in unsere Vor- 
stellung übergegangen, sondern so wie es seine eigene künstlerische 
Phantasie sich unmittelbar aus den Dichtern gestaltet hatte und 
daher bei einiger Rücksichtslosigkeit in der Linienführung und Form- 
gebung kräftig und gesund und frei von aller conventionellen Ab- 
schwächung. Eleganz und Weichlichkeit war dem Künstler in gleicher 
Weise verhasst, das Weibliche daher zurücktretend und nicht selten 
misslungen. Das letztere besonders da, wo das Reizende, Anmuthige 
und behagliches Dasein darzustellen war, während der Künstler wohl 
im Stande war, wenn es galt einen kräftigen Charakter mit gross- 
artiger Geberde auch in Frauengestalten zu geben, Unübertroffenes, 
vielleicht Unübertreffliches zu leisten. Auch die Farbe war für ihn 
von hoher Bedeutung insoferne, als sie die Charakteristik unterstützte, 
mithin vorzugsweise die Lokalfarbe, während das Malen im engeren 
Sinne mit Rücksicht auf harmonisches Ensemble, Lichtwirkung, 
concentrirte Effekte, Stimmung und Illusion ihm als vorzugsweise 
L 
 Brief des Cornelius 
bei Förster a. a. O. S. 367. 
an 
König Ludwig 
Dezember 
VOlTl 
1825, 
abgedruckt
        

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