Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525254
auch von den Einflüssen des Raphaeliten Primaticcio und B. Cellinfs 
ausgehend, eine Reihe französischer Künstler von J. Goujon bis 
B. Prieur an ihrem kunstliebenden Königshofe zu ruhiger, gehal- 
tener und feiner Durchbildung entwickelt, wenn auch ihre zum 
michelangelesken Styl gegensätzliche Kunst der Feinheit des französi- 
schen Hoftones entsprechend in graziler Eleganz manchmal zu weit 
ging. Am gehaltvollsten entfaltete sich in Frankreich in dieser Zeit 
die Porträthildnerei, deren Vortrefflichkeit selbst den übrigen Verfall 
der Plastik bis zum Ende des 17. Jahrhunderts herab überdauerte. 
Mit dem Auftreten Berninfs und der Vorliebe Ludwig XIV. für diesen 
hatte sich jedoch der von der französischen Plastik vorher einge- 
schlagene Weg verändert und diese irrte nun ebenso wie die ita- 
lienische durch das wüste Gestrüpp phantastischer Styllosigkeit. Erst 
mit dem Ende des 17. Jahrhunderts schien sich der französische. 
Meissel, des leidenschaftlich aufbrausenden Berninismus müde, wieder 
der früheren Eigenart zu besinnen. Wie aber damals die Glanz- 
periode Frankreichs mit dem Verlust ihrer weltgeschichtlichen Grösse 
für längere Zeit sich ihrem Ende zuneigte, so War auch die verlorne 
Grösse in der Kunst, selbst in der Porträtbildnerei nicht wieder her- 
zustellen und man musste sich mit der Wiederaufnahme der nun 
freilich würdelos gewordenen Eleganz laegnügen. Ihr lag nun freilich 
kein gesundes Schönheitsgefühl mehr zu Grunde, sondern mehr die 
vom 'I'anzmeister angelernte, kokette Grazie, unwahr gespreizt, voll 
von Speichelleckerei und üppigem Verderbniss. Girardon und dessen 
Schüler Fremin, deren Wirken schon in's 18. Jahrhundert hinüber- 
ragt, sind die Hauptträger dieser Phase, höchst bemerkenswerth 
durch den Umstand, dass ihr Styl nicht erobernd, sondern ansteckend 
in die beiderseits angränzenden Länder und noch darüber hinaus 
sich ergossl 
Dass in den farbenfreudigen Niederlanden bei der eminenten 
Entfaltung der Malerei für die Plastik weniger abfiel als in Frank- 
reich, dessen Malerei selbst von Poussin bis Mignard ein nicht un- 
bedeutendes plastisches Element enthält, ist selbstverständlich. Doch 
fehlt es, abgesehen von dem schon erwähnten, Italien ganz zuge- 
fallenen J. de Douay, auch sonst nicht an hervorragenden Bildnern, 
worunter namentlich Duquesnoy und Qüeninus im 17- Jahrhundert 
hervorragen. Ohne sich an französischen Einfluss anzulehnen, gehen 
diese, der italienischen Schule entwachsen, ihre eigene Bahn und
        

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