Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528217
Düsseldorfer Schüler. 
des 
Grundsätze 
Meisters. 
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gemeinsame Arbeit wie in unterhaltende Gespräche, wirkten wahr- 
haft orakelhaft auf dem empfänglichen Boden. Auch die von Cor- 
nelius nach Düsseldorf gezogenen Lehrer, der Kupferstecher Mosler 
und der Maler Wintergerst, standen ganz unter seinem Einfluss und 
waren die treuen, Dolmetscher seiner Intentionen. Kein Wunder, 
dass in Kurzem die ganze Schule wie aus einem Gusse dastand. 
Von jedem Besuch, den die Schüler in des Meisters Atelier machten, 
wo ein Garton nach dem anderen für die Glyptothekfresken entstand, 
kehrten sie angeregt, geläutert zurück, angefeuert durch das ernst 
freundliche Wort, das Gornelius an jeden zu richten wusste, und 
befestigt in dem Wunsche nach demselben Ziele zu streben. Es gab 
aber für den Meister nur ein Ziel: die monumentale Kunst. Diese 
fasste er jedoch keineswegs in einen engbegränzten Rahmen, sondern 
betrachtete Antike, Sage, das religiöse Gebiet und die Geschichte als 
ebenbürtig. Der Romantiker ward jedoch so ziemlich abgestreift 
und der heidnische wie der christliche Himmel in gleiche Rechte 
eingesetzt. Auch von einem Anlehnen an eine bestimmte Kunst- 
richtung war keine Rede mehr. Tüchtige Naturstudien sollten das 
Mittel sein, die Ideen zum Ausdruck zu bringen, sonst empfahl er 
besonders die Antike und die grossen Ginquecentisten als Correctiv. 
Auf die Antike namentlich Wies er als auf das wirksamste Gegen- 
gift gegen romantische Abirrungen und die magere Sentimentalität 
jener Zeit agegen Madonnensucht und Undinenschivärmerei(4. Hin- 
sichtlich der Stotfwahl rieth er im Allgemeinen von Dichterillustra- 
tionen ab. aES taugt nicht, den Dichtern nachzudichten. Unsere 
Kunst ist frei und muss sich frei gestalten. Erwärmen sollen wir 
uns an der Begeisterung der Dichter, das ganze Leben muss von 
ihnen durchdrungen sein; aber wo wir dichten, sollen wir selbst 
dichten und nicht für uns dichten lassen  .  Scenenmalerei ist 
Nachdruck; die freie Kunst muss sich dessen schämenxt Wenn er 
sie selbst einst ausgeübt, meinte er, so geschah es nur, Weil es der 
einzige Weg war, dem Leben sich zu nähern, welchem Dichter und 
Tonkünstler näher stünden als Maler. Nun die Bahn gebrochen 
Sei, bedürfe es dessen nicht mehr, um seine selbständigen Ideen zu 
entwickeln. Gegen andere Kunstgatttlngen in der Malerei aber ver- 
hielt er sich bis zur Ungerechtigkeit abwehrend, selbst gegen die 
Landschaft, vornehmlich aber gegen das Genre. Einen Lem-Stum 
der Genre- und Landschaftsmalerei erklärte er denn auch noch später
        

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