Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528165
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IlI. 
Buch. 
I. Cap. Cornelius' Düsseldorfer Direktorat u. Kronprinz Ludwig. 
kriegerischen Zeitläuften und der hiedurch veranlassten Auflösung 
mancher Privatsammlung, von erwünschten Zufällen (Aegineten) und 
der lebhaften Mithülfe einsichtiger Agenten (M. Wagner) begünstigt, 
Erwerbungen zu Stande gebracht, wie sie sonst einem Jahrhundert 
selbst mit doppelten Mitteln kaum gelingen dürften. Von Haus aus 
Classicist war er indeSS nicht einseitig in Antikenverehrung befangen; 
der Geist der Romantik hatte auch ihn berührt und den patriotisch- 
christlichen Sinn in ihm geweckt, den seine damaligen Gedichte 
athrnen. Von der umfassendsten Empfänglichkeit für alles Schöne 
und Gute belebt, nährte er desshalb nicht bloss den egoistischen 
Wunsch, alle Kräfte zur Ausführung seiner Ideen an sich zu ziehen, 
sondern für Deutschlands wiedererstehende Grösse glühend, freute er 
sich des Gedankens, dass der von der Künstlerschaar in Rom gelegte 
Same für ganz Deutschland fruchtbar würde, und dass jcne Kunst- 
apostel, unter welchen er, wie bekannt, den veiferglühendene Cor- 
nelius mit Paulus, und Overbeck, den Mann des wkindlichen Gemüthesa, 
mit Johannes verglich, die neue Kunst in alle deutschen Lande 
gelangen werde. 
„Und mit seinen lebensfrischen Aesten 
Wölbt der Baum sich über Deutschland ganz, 
Und von Nord nach Süd, von Ost nach Westen 
Wird die Heimat üherstrahlt von Glanz."  
Für sich hatte er zunächst Cornelius erwählt und  im ent- 
scheidenden Augenblick, ehe Niebuhr dessen Berufung in preussische 
Dienste durchsetzte, gewonnen. Universell angelegt, wie der Prinz, 
musste dieser ihm als die passendste Persönlichkeit zur Verwirklichung 
seiner monumentalen Pläne, wie zur Begründung eines Neuauf- 
schivunges der wie an allen deutschen Akademien, so auch in 
Nlünchen abgelebten Kunst erscheinen. Ueberdiess konnte es dem 
Kronprinzen nicht entgehen, dass er unter den deutschen Malern, 
von welchen eine grosse Zahl Convertiten und der Antike abgewandt, 
keinen finden könne, Welcher sich für seine in erster Linie in's Auge 
gefasste Aufgabe, die Empfangsäle der Glyptothek wie natürlich mit 
classischen, auf den Inhalt bezüglichen Malereien auszustatten, mehr 
eignen und sich ihnen, so wie der Erwählte mit ganzer Liebe und 
 Aus dem Gedichte „Den 
Ludwig, Bayerns Kronprinz." 
zu Rom 
deutschen Künstlern 
im Jahre 
1818 
V01]
        

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